Palantir hat Medienberichten zufolge innerhalb eines Jahres mehr als 50 Ingenieure verloren, während die Aktie 2026 rund ein Viertel an Wert eingebüßt hat. Für viele Beobachter steht vor allem die Politik von Vorstandschef Alex Karp im Zentrum der Kritik.
Wichtigste Punkte:
- Mehr als 50 erfahrene Ingenieure sollen Palantir im vergangenen Jahr verlassen haben, viele wechselten zu Anthropic und OpenAI.
- Die Aktie fiel am 8. Juli um 1,6 % auf 132,22 US‑Dollar, beendete damit eine siebentägige Rally und notiert 37 % unter ihrem Rekordschluss.
- Europäische Regierungen stellen Palantir‑Verträge infrage, und die US‑Demokraten könnten Staatsaufträge im Volumen von über 10 Milliarden US‑Dollar gefährden.
Palantir kämpft mit beschleunigter Ingenieursflucht
Die Financial Times hat die Entwicklungen in einer Recherche aufgearbeitet, die auf Gesprächen mit mehr als 20 aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern, Führungskräften, Investoren und Beratern basiert. Zahlen der Recruiting‑Beratung Harnham zeigen, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr über 50 erfahrene Ingenieure verloren hat – viele davon im Konflikt mit dem politischen Kurs Palantirs. Ein Teil dieser Fachkräfte heuerte bei den KI‑Konkurrenten Anthropic und OpenAI an.
Ein Vertrauter des Palantir‑Managements bezeichnete Berichte über eine „Exodus‑Welle“ als überzogen. Karp selbst räumte allerdings ein, dass einige Ingenieure wegen der lautstarken Unterstützung Israels gekündigt hätten; weitere Mitarbeiter gingen Anfang 2025 aus Protest gegen die Zusammenarbeit mit der Regierung von Donald Trump.
Die Märkte reagierten rasch. Die Aktie gab am 8. Juli um 1,6 % auf 132,22 US‑Dollar nach und beendete damit eine siebentägige Aufwärtsbewegung, die sie zuvor um 25 % über das Zwischentief vom 25. Juni bei 107,27 US‑Dollar getrieben hatte. Auf Jahressicht liegt das Papier trotzdem 27 % im Minus und rund 37 % unter dem Rekordschluss vom 3. November 2025 bei 207,18 US‑Dollar.
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Alex Karp steht vor wachsendem Washington‑Risiko
Gil Luria, Analyst bei D.A. Davidson, führt die jüngste Schwächephase der Aktie vor allem auf Sorgen zurück, demokratische Abgeordnete könnten Palantirs Regierungsverträge ins Visier nehmen. Das Geschäft mit der Bundesregierung brachte dem Datenanalysespezialisten in den ersten zwölf Monaten nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus fast 2,2 Milliarden US‑Dollar ein. Medienberichten zufolge stehen Verträge von mehr als 10 Milliarden US‑Dollar auf dem Spiel, falls 2028 ein Demokrat die Präsidentschaft gewinnt. Zudem drohen Anhörungen im Kongress, sollte die Partei schon im November das Repräsentantenhaus zurückerobern.
In Europa ziehen sich Regierungen bereits zurück. Londons Bürgermeister Sadiq Khan stoppte im Mai ein 50‑Millionen‑Pfund‑Abkommen mit der Metropolitan Police, und ein 330‑Millionen‑Pfund‑Vertrag mit dem nationalen Gesundheitsdienst steht unter neuer politischer Beobachtung. Behörden in Deutschland, Frankreich und der Schweiz gehen aus politischen Gründen ebenfalls auf Distanz; Paris lenkt seinen Inlandsgeheimdienst zu einem heimischen Anbieter um.
Palantir weist die Darstellung als toxisch zurück. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben mit der US‑Regierung unter fünf verschiedenen Präsidenten zusammengearbeitet hat, erklärte: „Wir werden weiterhin mit Demokraten und Republikanern gleichermaßen zusammenarbeiten, um alle Amerikaner zu unterstützen.“
Karp, der nach der Wahl 2024 Berichten zufolge 1 Million US‑Dollar an eine Trump‑nahe politische Organisation spendete, scheut die Kontroverse weiterhin nicht. Am 1. Juli argumentierte er im Fernsehen, Unternehmen sollten „die Produktionsmittel besitzen“, statt ihre Daten an OpenAI und Anthropic auszulagern – Aussagen, die Kritiker als eigennützig zurückwiesen. Die Aktie notiert weiterhin unter ihrem 200‑Tage‑Exponentiellen‑Durchschnitt.
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