Palantir‑Chef Alex Karp hat am Mittwoch in einer Live‑Sendung die Tokenpreise hinter OpenAI und Anthropic scharf angegriffen – und die Aktien seines Unternehmens legten daraufhin fast 8 % zu.
Zentrale Punkte
- Karp sagte, tokenbasierte KI‑Abrechnung lasse Unternehmen mehr zahlen und zugleich ihre Daten sowie ihr geistiges Eigentum aus der Hand geben.
- Als Lösung für vorsichtige Firmenkunden warb er für Open‑Weight‑Modelle und vollständige Kundensouveränität.
- Die Palantir‑Aktie stieg in derselben Sitzung um fast 8 % und machte damit einen Teil des starken Kursrückgangs im Jahr 2026 wett.
Karp zerlegt Tokenpreise
In einem TV‑Interview erklärte Karp den Zuschauern, dass Unternehmen viel Geld in Tokens stecken und dennoch wenig realen Mehrwert einfangen – während der Preis jedes neuen Modells weiter steigt. Er argumentierte, das Modell ermögliche es den Labs, wiederkehrende Gebühren einzustreichen und gleichzeitig langfristig die proprietären Daten der Kunden, ihr operatives Know‑how und ihren hart erarbeiteten Wettbewerbsvorsprung zu absorbieren. „Irgendetwas ist völlig schiefgelaufen“, sagte er.
Als eine sichtlich überraschte Moderatorin bemerkte, er klinge on air sehr wütend, wischte Karp das Etikett beiseite und hielt an seinem breiteren Argument fest: verschwenderische Unternehmensausgaben für unbewiesene Werkzeuge. Die Frustration, betonte er, gehöre im Grunde ganz Corporate America; sie sei nur während dieses angespannten, konfrontativen Live‑Auftritts durch ihn an die breite Öffentlichkeit gelangt.
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Nvidia‑Deal treibt Souveränitäts‑Offensive
Die Aussagen kamen nur wenige Tage, nachdem Palantir seine Partnerschaft mit Nvidia ausgebaut und die offenen Nemotron‑Modelle des Chipherstellers in sichere Regierungsbehörden sowie klassifizierte kritische Infrastrukturen integriert hatte. Karp knüpfte das Bündnis eng an das Thema Eigentum: Technische Kunden wollten, so sagte er, klare Kontrolle über ihre eigenen Compute‑Ressourcen, Modelle, Daten und ihr Alpha – und das Vertrauen, dass sie die Produktionsmittel wirklich selbst besitzen.
Palantir veröffentlichte zudem ein „Neun‑Punkte‑Manifest“ zur Datensouveränität und warnte Unternehmen eindringlich davor, ihre strategisch wichtigsten Informationen und ihr internes Know‑how zu freigiebig oder zu billig an externe Anbieter zu übergeben. Wettbewerber verkauften Zugang, Palantir verkaufe Kontrolle.
Standardmäßig erklären beide Labs, dass sie zahlende Kundendaten nicht zum Training verwenden, sofern ein Kunde nicht ausdrücklich ein Opt‑in wählt. Doch die tiefere Frage ist Vertrauen. Karp bezweifelt, dass viele Unternehmen überhaupt missionskritische Arbeit an externe Provider auslagern werden – eine Sorge, die sich in der jüngsten Zurückhaltung von Firmen wie Uber und Microsoft gegenüber kostspieligen KI‑Tools widerspiegelt.
Karps vertraute KI‑Warnung
Die Palantir‑Aktie hatte sich vor dem Interview über weite Teile des Jahres schwergetan; die Rallye verringerte einen Kursrückgang von rund 25 % im Jahr 2026, obwohl die Quartalsumsätze weiter stark stiegen. Karp lobte seine privaten, teils hitzigen Debatten mit Anthropic‑Chef Dario Amodei als unterhaltsam, beharrte jedoch darauf, dass die zugrunde liegenden Modelle massiv überverkauft worden seien.
Neu war das alles nicht. In einem Podcast im Juni trug Karp nahezu dieselben Argumente vor: Viele Unternehmen würden KI inzwischen massiv übernutzen, ohne jemals klare Produktivitätsgewinne im Verhältnis zu den Ausgaben zu sehen. Die Frontier‑Labs beschrieb er als charismatisch und überzeugend gegenüber Investoren, jedoch deutlich weniger überzeugend für die gewöhnlichen Unternehmen, die am Ende die stetig steigenden Monatsrechnungen bezahlen müssten.
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