Ein sehr starkes El Niño-Szenario hat bis Dezember eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 81 %, doch Meteorologen erwarten, dass das Waldbrandrisiko im Westen der USA bis 2026 erhöht bleibt – eine weitere Saison für Trader auf Prognosemärkten.
Wichtigste Punkte:
- Meteorologen der NOAA sehen inzwischen eine 81%ige Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes El Niño zwischen Oktober und Dezember 2026.
- Untersuchungen der Behörde zeigen: El Niño senkt das Brandrisiko nur im Sommer nach einem nassen Herbst und Winter – Entlastung im Westen erst 2027.
- Polymarket und Kalshi bieten weiter Wetter- und Waldbrandkontrakte an und stoßen damit auf Widerspruch von Brandforschern, Ermittlern und Ethikern.
El-Niño-Wahrscheinlichkeit bei 81 % – Feuerentlastung lässt auf sich warten
Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hat im Juni bestätigt, dass sich über dem tropischen Pazifik ein El Niño ausgebildet hat. Das Climate Prediction Center der Behörde beziffert die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken Ereignisses für den Zeitraum Oktober bis Dezember auf 81 %.
Klimamodelle zählen das sich entwickelnde Muster inzwischen zu den stärksten seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1950.
Forscher der Behörde, die fast vier Jahrzehnte an Ozeanzyklen und verbrannten Flächen ausgewertet haben, kommen zu dem Ergebnis: El Niño dämpft das Brandrisiko nur dann, wenn es zuvor Herbst, Winter und Frühjahr überdurchschnittlich nass waren.
Andrew Hoell, Meteorologe bei der NOAA und Co-Autor der Studie, sagt, dieser Entlastungseffekt werde den Großteil der USA erst im kommenden Jahr erreichen. Zudem betont die Arbeit, dass El Niño lediglich die Wahrscheinlichkeiten verschiebt – nicht aber das Risiko vollständig eliminiert.
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Polymarket- und Kalshi-Waldbrandkontrakte sorgen für Kritik
Polymarket führt eine eigene Kategorie für Waldbrände sowie tägliche Temperaturkontrakte, die in USDC (usdc) abgerechnet werden. Kalshi bietet Wettermärkte für mehr als ein Dutzend US-Städte an. Eine jüngere Plattform namens Wyldfyre bepreist das Waldbrandrisiko auf Ebene der kalifornischen Countys, läuft derzeit aber nur mit simuliertem Handel.
Das kombinierte monatliche Handelsvolumen der beiden größten Plattformen ist laut einer Analyse des Pew Research Center angestiegen – von unter 5 Milliarden US-Dollar im September 2025 auf rund 24 Milliarden US-Dollar im April 2026. Wettermärkte machen davon allerdings weiterhin nur einen kleinen Teil aus.
Brandforscher und Ethiker warnen, Wetten auf verbrannte Flächen könnten Brandstiftung belohnen oder Insider verleiten, Brände länger laufen zu lassen, als es vertretbar wäre.
Kaitlyn Trudeau, Klimawissenschaftlerin bei Climate Central, kritisiert, das Format verleite dazu, reale Katastrophen wie ein Videospiel zu betrachten. Der frühere Brandermittler des Los Angeles County, Ed Nordskog, verweist auf eine auffällige Verbindung zwischen Spielsucht und Feuerlegung.
Polymarket wiederum argumentiert, die Kontrakte lieferten in erster Linie Informationen und keine Kommentare. Eine Einstellung der Märkte würde es Betroffenen in rasant eskalierenden Lagen erschweren, an präzise Daten zu kommen.
Feuerbehörden ignorieren Daten aus Prognosemärkten
CAL FIRE und der US Forest Service betonen, ihre Brandmodelle basierten ausschließlich auf validierter Wissenschaft – Wettbörsen, Schwarmprognosen und ähnliche Mechanismen spielten dabei keine Rolle.
Abgeordnete aus Utah und Kalifornien haben auf Bundesebene Gesetzentwürfe eingebracht, die Kontrakte zu Terrorismus, Krieg und illegalen Aktivitäten untersagen sollen; Waldbrände werden darin bislang nicht ausdrücklich genannt.
Wetten auf Brände sind für die Plattformen kein Novum. Trader setzten im Januar 2025 rund 1,2 Millionen US-Dollar auf etwa 20 Märkte zu den Palisades- und Eaton-Feuern.
Sensoren an einem Pariser Flughafen registrierten später unerklärliche Temperatursprünge während Polymarket-Wetterwetten. Der französische Wetterdienst erstattete daraufhin Strafanzeige – in Verdacht steht gezielte Datenmanipulation.
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