Elon Musk schloss am Mittwoch in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen eine Fusion von Tesla und SpaceX nicht aus – ein Analyst erhöhte daraufhin seine Wahrscheinlichkeit für einen Deal prompt auf 90 %.
Eine mögliche SpaceX-Übernahme von Tesla würde vollständig in Aktien bezahlt, die seit ihrem Hoch im Juni rund 50 % an Wert verloren haben. Diese Mathematik verschiebt die Konditionen Tag für Tag.
Zentrale Punkte:
- Analysten rechnen mit einem reinen Aktiendeal, bei dem SpaceX als Käufer auftritt; RBC hat einen Übernahmeaufschlag von 20 % bis 30 % für Tesla-Aktionäre durchgerechnet.
- Jede Kursbewegung der SpaceX-Aktie verändert, wie viele neue Anteile der Käufer ausgeben müsste – ein sinkender Kurs macht den Zukauf für die bestehenden Aktionäre teurer.
- Der fusionierte Konzern würde mit roten Zahlen starten, da die Verluste von SpaceX im vergangenen Jahr die Gewinne von Tesla übersteigen.
SpaceX–Tesla-Deal dürfte als Aktientausch strukturiert werden
An der Wall Street zeichnet sich bereits ein grober Rahmen für eine mögliche Transaktion ab. RBC-Analyst Tom Narayan kalkulierte, dass Tesla in einem reinen Aktientausch einen Aufschlag von 20 % bis 30 % erzielen könnte – als Ausgleich für die Aufgabe der Stimmrechtskontrolle – und hob sein Kursziel für Tesla auf 500 US‑Dollar an. JPMorgan‑Analyst Doug Anmuth bezeichnete ein reines Aktientauschmodell als wahrscheinlichstes Szenario und nannte eine neue Holdingstruktur oder eine schrittweise Fusion als Alternativen.
Die Bank hat zudem herausgestellt, dass insbesondere die Zustimmung der chinesischen Behörden als größtes praktisches Hindernis gilt – vor allem wegen Teslas Fabriken in China.
Über den Rest entscheidet im Moment vor allem der Kurs. Bei 135 US‑Dollar hätte SpaceX rund 46 % mehr eigene Aktien ausgeben müssen, um Tesla zu übernehmen – ein Wert, der sich verringerte, als der Kurs auf 185 US‑Dollar stieg und der Verwässerungseffekt auf etwa 38 % sank.
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Fusionskonzern würde mit Verlusten starten
Inzwischen hat sich das Verhältnis wieder zu Ungunsten von SpaceX verschoben, weil die Aktie nun unter dem Emissionspreis notiert. Die bisherigen Anteilseigner würden ihren Anteil von 100 % am Unternehmen auf unter zwei Drittel verwässert sehen, während Elon Musks Stimmrechtsmacht in der fusionierten Gesellschaft über die Marke von 50 % steigen könnte.
Musk kontrolliert derzeit rund 85 % der Stimmrechte bei SpaceX, aber nur etwa 20 % bei Tesla – ein Gefälle, das faktisch bestimmt, wer die Bedingungen der Transaktion diktiert.
Deutlich problematischer ist für künftige Eigentümer jedoch das Ergebnisbild. Die Verluste von SpaceX in den vergangenen vier Quartalen überkompensieren Teslas Gewinne – der kombinierte Konzern würde somit trotz einer Börsenbewertung in Billionenhöhe zunächst tief in den roten Zahlen starten.
Über den fairen Wert von SpaceX herrscht erhebliche Uneinigkeit: Raymond James sieht ein Kursziel von 800 US‑Dollar je Aktie. Morningstar veranschlagt einen fairen Wert von knapp 62 US‑Dollar, und Morgan Stanley rechnet nicht vor 2035 mit einem positiven freien Cashflow. Hinzu kommt, dass auslaufende Lock-up-Fristen später im Jahr zusätzliches Aktienvolumen auf einen Markt werfen werden, der bislang keinen klaren Gleichgewichtspreis gefunden hat.
Teslas Ergebnis schwankt bereits mit der SpaceX-Aktie
Die Verbindung zwischen beiden Unternehmen ist schon jetzt mehr als theoretisch. Tesla verbuchte im zweiten Quartal einen Buchgewinn von 1 Mrd. US‑Dollar auf seine SpaceX-Beteiligung – teilweise aufgezehrt durch einen Verlust von rund 100 Mio. US‑Dollar auf Bitcoin (BTC).
Der Buchgewinn wurde auf Basis des Kurses vom 30. Juni ermittelt und deutet angesichts der aktuellen Entwicklung auf eine Gegenbewegung hin – ein Effekt, der sich durch eine Fusion erledigen würde, da die Beteiligung dann im Konzernabschluss aufgeht.
SpaceX hat inzwischen sämtliche Kursgewinne aus den ersten Wochen nach dem Börsengang wieder abgegeben.
Die Aktie wurde am 12. Juni zu 135 US‑Dollar emittiert, eröffnete bei 150 US‑Dollar und stieg innerhalb weniger Tage über 225 US‑Dollar, bevor sie bis auf ein Rekordtief von 110,85 US‑Dollar am Donnerstag durchrutschte.
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