Die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden haben ein in Kiew angesiedeltes Krypto-Betrugsnetzwerk zerschlagen, dem vorgeworfen wird, Wallets in mehr als 20 Ländern geplündert und in Spitzenzeiten monatlich bis zu 1 Mio. US‑Dollar verschoben zu haben.
Zentrale Punkte:
- Die Polizei hat 62 Opfer identifiziert; der mutmaßliche Drahtzieher soll mehr als 46 Ukrainer angeworben haben.
- Gefälschte Investmentseiten setzten einen versteckten „Drainer“ ein, nachdem Opfer eine kleine Testtransaktion freigegeben hatten.
- Ermittler fanden in den Niederlanden gehostete Datenbanken mit Wallet-Adressen, Beutevolumen und persönlichen Daten.
Krypto-Ring von Kiew
Die Nationale Polizei der Ukraine und der Geheimdienst Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) teilten mit, sie hätten mehrere von Kiew und der umliegenden Region aus betriebene Fake-Investmentplattformen geschlossen. Den Ermittlern zufolge warb der Organisator mehr als 46 Ukrainer an; die Polizei hat 62 Geschädigte in Ländern wie Deutschland, Polen, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Israel identifiziert.
Der Sicherheitsdienst beschrieb den Drahtzieher als 25‑jährigen IT-Spezialisten aus Kiew. Das Konstrukt soll in Hochphasen einen Umsatz von bis zu 1 Mio. US‑Dollar pro Monat erreicht haben. Die Gruppe bewarb vermeintlich hochrentable Krypto-Projekte über Telegram und leitete Interessenten anschließend auf Websites, die seriösen Investmentdiensten nachempfunden waren.
Nachdem Nutzer ihre Wallets verbunden und Gelder eingezahlt hatten, spielten die Betreiber manuell fiktive Handelsgewinne in den Kundenkonten ein. Auszahlungen wurden jedoch blockiert; stattdessen wurden die Opfer aufgefordert, ihre Hauptwallet zu verbinden und eine kleine Testtransaktion zu autorisieren.
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RUSI-Warnungen zu Drainer-Risiken
Nach Angaben der Polizei löste genau diese Testtransaktion einen versteckten Drainer-Code aus, der der Gruppe Zugriff auf die Wallet des Opfers verschaffte und die Vermögenswerte auf kontrollierte Adressen umlenkte. Im Rahmen der Registrierung und Verifizierung sammelten die Täter zusätzlich Passdaten, Telefonnummern, E‑Mail-Adressen, Passwörter, Logins und Fotos ein.
Die Ermittler lokalisierten Server in den Niederlanden, auf denen sich die Datenbanken der Gruppe befanden – darunter Opferlisten, Wallet-Adressen, die Höhe der erbeuteten Beträge sowie interne Kommunikation.
Die Behörden durchsuchten 34 Objekte in Kiew und der Region, beschlagnahmten mehr als 100 Computer, über 100 Mobiltelefone, 79 SIM-Karten, Bargeld und 15 Fahrzeuge.
Das britische sicherheitspolitische Forschungsinstitut Royal United Services Institute (RUSI) warnt seit Längerem, dass regulatorische Lücken im Umgang mit virtuellen Vermögenswerten in der Ukraine Geldwäsche, Steuerhinterziehung und andere illegale Finanzströme begünstigen können.
In einem Taskforce-Bericht für 2025 verweist RUSI auf eine Experteneinschätzung, wonach eine schärfere Aufsicht der Ukraine helfen könnte, bis zu 10 Mrd. US‑Dollar zurückzuholen – ein Hinweis auf die makrofinanziellen Dimensionen einer wirksamen Krypto-Aufsicht.
Bereits im Juni hatte die Ukraine einen separaten Schritt gesetzt: Mehr als 8,3 Mio. US‑Dollar in Tether (USDT), die von einer mutmaßlichen Hackergruppe beschlagnahmt worden waren, wurden auf eine staatlich kontrollierte Wallet übertragen. Es war der erste bekannte Fall, in dem konfisziertes Krypto-Vermögen offiziell unter staatliche Verwaltung gestellt wurde.
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