APIA, Samoa, 27. Juli 2026 /PRNewswire/ -- HTX Research, die Research-Einheit der Krypto-Börse HTX, hat einen neuen Bericht mit dem Titel From Asset Tokenization to Cash-Flow Tokenization: RWA and DeFi Enter the Second Half of Programmable Finance veröffentlicht. Die Analyse zeigt, wie sich RWA-Tokenisierung und DeFi-Cashflow-Bewertung – scheinbar zwei getrennte Themen – auf denselben Strukturwandel hinweisen: Der Kryptomarkt bewegt sich von der reinen „Existenz von Assets“ hin zu deren „Nutzwert“ und von „Protokollnutzung“ hin zu „Protokollprofitabilität“.
Proof of Concept ist erbracht – die Finanzialisierung noch nicht
Das Marktvolumen tokenisierter Vermögenswerte ohne Stablecoins ist von weniger als 3 Milliarden US-Dollar Mitte 2024 auf über 30 Milliarden US-Dollar im April 2026 gestiegen und liegt seither bei rund 34 Milliarden US-Dollar. Damit gilt als bewiesen, dass sich traditionelle Finanzanlagen wirkungsvoll auf die Blockchain abbilden lassen und dass institutionelle Investoren die Blockchain zunehmend als neue Infrastruktur für Emission, Abwicklung und Asset Management betrachten.
Im Vergleich zu globalen Anleihe-, Aktien-, Gold- und Kreditmärkten mit einem Volumen in zweistelliger Billionenhöhe bleibt ein Markt von 34 Milliarden US-Dollar jedoch marginal. RWA ist damit derzeit eher als „praktisch erprobt“ denn als Mainstream zu verstehen: Emission, Verwahrung und Abwicklung onchain funktionieren, während großskalige Komposabilität, Kreditschöpfung und tiefere Sekundärmarktliquidität noch ausstehen.
Folglich müssen sich auch die Kennzahlen zur Beurteilung des Marktes verändern. Das reine Volumen tokenisierter Assets, Emissionszahlen und Wallet-Zählungen treten in den Hintergrund. Im Fokus stehen zunehmend Nutzungsquoten, Umschlagshäufigkeit, Beleihungsgrade, Kreditnachfrage, reale Renditen, Ausfallmanagement, Sekundärmarkttiefe und Protokollumsätze.
Das Paradox der Onchain-Nutzung
Ein besonders markanter Datenpunkt des Berichts ist eine „Inversion von Größe und Aktivität“. Die größten Asset-Kategorien weisen oft die geringste onchain-Nutzung auf. Öffentlich zugängliche Daten zeigen, dass tokenisierte Anleihen zwar zu den volumenstärksten Kategorien zählen, aber nur etwa 5 % ihres Angebots in DeFi-Protokollen eingesetzt werden. Dagegen weisen Rückversicherungs-Token, deren Marktvolumen deutlich kleiner ist, einen weit höheren Nutzungsanteil in DeFi auf.
Dies legt einen häufig übersehenen Unterschied offen: „Tokenisiert sein“ und „in onchain Finance tatsächlich eingesetzt werden“ sind zwei völlig verschiedene Konzepte. Ersteres betont die digitale Verbriefung von Eigentumsrechten, letzteres die Fähigkeit zur Komposition, Besicherung und Übertragbarkeit. Viele Produkte auf Basis von Staatsanleihen oder Gold fungieren faktisch nur als onchain-Quittungen – ein effizienteres Interface für Registrierung und Transfer, jedoch ohne offene Handelbarkeit, permissionless-Besicherung oder automatisierte Liquidation.
Vier zentrale Restriktionen erklären die geringe Nutzung: regulatorische Transferbeschränkungen, die offene Komposabilität begrenzen; diskontinuierliche Rücknahme- und NAV-Zyklen, die nicht zu einem 24/7-Protokollbetrieb passen; unausgereifte Preis- und Risikomodelle, bei denen Assets ohne liquiden Sekundärmarkt auf NAVs, Brokerquotes oder Modellbewertungen angewiesen sind; sowie rechtliche Durchsetzung, die weiterhin offchain stattfindet, da Smart Contracts weder Zwangsvollstreckung noch Insolvenzliquidation vollständig abbilden können.
Von der TVL-Logik zur Profitlogik
Auf der DeFi-Seite entwickeln sich die Bewertungsrahmen weiter, je mehr Protokolle reale Nutzer, Transaktionen und Gebühren aufbauen. Kennzahlen wie TVL, Handelsvolumen und FDV/TVL spiegeln primär Größe wider, nicht jedoch Profitabilität oder die Fähigkeit zur Wertabschöpfung.
Der Bericht schlägt einen operativeren Test vor: Entscheidend ist, ob die Übertragungskette von Protokollaktivität zum Tokenwert geschlossen ist. Diese Kette umfasst mindestens sechs Glieder – ob Erlöse aus echter Nachfrage statt aus kurzfristigen Anreizprogrammen stammen; ob das Protokoll Erträge tatsächlich einbehält, denn für Bewertungen zählt Nettoumsatz, nicht Rohertrag; ob diese Erträge Risikokosten wie uneinbringliche Kredite, Liquidationsfehler und Orakelrisiken decken; ob die DAO Kapital allokationsfähig ist; ob der Token über einen klar definierten Mechanismus zur Wertabschöpfung verfügt; und ob Regulatoren diese Übertragung anerkennen.
Aave illustriert diesen Übergang mit realer Kreditnachfrage, realen Zinseinnahmen und transparenten Gebührenstrukturen – DeFiLlama weist die Gebührenquellen von Aave V3 nach Kredit Zinsen, Flash-Loan-Gebühren, Liquidationsgebühren, Paraswap-Swap-Gebühren und Chainlink SVR aus. Governance-Token sind jedoch keine Aktien, und Protokollerträge stehen nicht automatisch den Tokenholdern zu.
Drei Schichten – und wachsende Komplexität
In Summe entsteht im onchain-Finanzsystem eine Dreischicht-Struktur: Regulierungs-konforme Stablecoins und onchain-Cash-Management-Lösungen bilden die Basis für Zahlungsverkehr und Settlement; tokenisierte Staatsanleihen, Geldmarktfonds, Private Credit, Gold und verbriefte Assets dienen als Rendite- und Sicherheitenlayer; darauf aufbauend übernehmen Protokolle wie Aave, Maple, Sky, Pendle, Uniswap und Hyperliquid Kreditvergabe, Handel, Zinskurven, Risikomanagement und Leverage.
Effizienzgewinne gehen dabei mit einer Bündelung von Offchain-Finanzrisiken, Smart-Contract-Risiken, Liquiditäts- sowie Regulierungsrisiken in einem System einher – und in einer 24/7, gehebelten, komposablen und automatisiert liquidierten Marktumgebung erfolgt die Risikotransmission schneller als im traditionellen Finanzsystem. Fünf Felder bedürfen einer laufenden Überwachung: Asset-Authentizität und Reservetransparenz, Liquiditätsmismatch, regulierungskonforme Komposabilität, DAO-Governance und Wertübertragung sowie Orakel- und Preisfindungsmechanismen.
Der Wettbewerbsschwerpunkt in der zweiten Halbzeit
Die erste Halbzeit von RWA drehte sich um Emission, die zweite dreht sich um Nutzung. Die erste Phase von DeFi war funktionsgetrieben, die nächste wird ertragsgetrieben. Fünf Anwendungsfelder stechen hervor, wenn es um den Aufbau echter finanzieller Tiefe geht: tokenisierte Staatsanleihen als Sicherheiten in Kredit- und Repo-Märkten; Private Credit, integriert in institutionelle Kreditprotokolle, als Basis eines onchain-Fixed-Income-Marktes; tokenisiertes Gold und Rohstoffe als Derivate- und Margin-Assets; regulierungskonforme Aktien und Fondsanteile im 24/7-Handel und -Finanzierungssystem; sowie DeFi-Protokolle, die mit expliziten Wertabschöpfungsmechanismen in die Cashflow-Bewertungsära eintreten. Gemein ist allen Szenarien die Verschiebung des Wettbewerbs – bei RWA von der Geschwindigkeit der Tokenisierung hin zur Tiefe der onchain-Nutzung, bei DeFi von TVL-Größe hin zur Qualität der Cashflows.
Für Marktteilnehmer müssen sich die Analyseinstrumente parallel dazu weiterentwickeln. Jenseits von Asset-Volumen und TVL-Rankings gewinnen Kennzahlen wie Nutzungsquote, Sicherheiten-Tiefe, Erlösstruktur und Risikoparameter an Aussagekraft. HTX Research wird die Entwicklung tokenisierter Assets, von Stablecoins und der onchain-Finanzinfrastruktur weiter eng begleiten und den Markt mit datengetriebenen Analysen versorgen.
Über HTX Research
HTX Research ist die Research-Einheit der HTX Group und verantwortet fundierte Analysen, umfassende Reports und Expertengutachten zu einem breiten Spektrum an Themen – von Kryptowährungen über Blockchain-Technologie bis hin zu neuen Markttrends. Mit dem Anspruch, datenbasierte Einblicke und strategische Vorausschau zu liefern, prägt HTX Research die Debatte in der Branche und unterstützt fundierte Entscheidungen im Digital-Asset-Sektor. Durch rigorose Methoden und moderne Analytics bleibt HTX Research an der Innovationsfront, setzt Impulse für Thought Leadership und fördert ein tieferes Verständnis der sich wandelnden Marktdynamiken. Besuchen Sie uns.


