Anthropic wirft den chinesischen Entwicklern Moonshot und DeepSeek vor, Kundenanfragen klammheimlich an Claude durchgereicht und die Antworten anschließend als Resultat ihrer eigenen Modelle ausgegeben zu haben.
Zentrale Punkte:
- In einem 154-seitigen Bedrohungsbericht schreibt Anthropic Moonshot mehr als 23 Millionen Claude-Interaktionen und DeepSeek 12,1 Millionen zu.
- Moonshot soll in nur zehn Tagen knapp 300.000 Kundenanfragen über 5.380 Schein-Konten an Claude weitergereicht haben.
- Laut Anthropic wurden dabei Nutzer- und Unternehmensdaten sowie mindestens eine mutmaßlich militärische Überwachungsanfrage offengelegt.
Anthropic-Bericht nennt Moonshot und DeepSeek namentlich
Das Unternehmen hat die Erkenntnisse am Donnerstag in einem Bericht zur Bedrohungslage veröffentlicht, der mutmaßlichen Missbrauch zwischen Dezember 2025 und August 2026 dokumentiert. Das Papier umfasst 154 Seiten und ordnet die Aktivitäten in sieben Kategorien ein.
In einem Zeitraum von nur zehn Tagen soll Moonshot laut einem weiteren Bericht fast 300.000 Kundenanfragen über 5.380 betrügerische Konten an Claude geleitet haben, mehrheitlich von Accounts aus Singapur und Japan.
Anthropic blockiert regulär den Zugriff auf seine Modelle aus Festlandchina. Dennoch schrieb das Unternehmen laut einem Beitrag Moonshot zwischen Mai und Juli mehr als 23 Millionen Interaktionen mit Claude zu. DeepSeek sei in einem 14-tägigen Zeitraum im Juli für mehr als 12,1 Millionen weitere Vorgänge verantwortlich gewesen.
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Jurist Joe Khawam sieht erhebliche Rechtsrisiken
Joe Khawam, Managing Director für Recht und KI-Regulierung am Law Reform Institute in Washington, betonte, der Bericht werfe gravierende Datenschutzfragen auf, die sowohl das US-amerikanische als auch das chinesische Recht berühren könnten.
Einige Details seien aus seiner Sicht rechtlich besonders brisant. Khawam, früherer Anwalt im US-Außenministerium, wertet den Zeitpunkt des Berichts zudem als Signal, dass Washington das Thema bei den anstehenden US‑China-Gesprächen zu Künstlicher Intelligenz auf die Agenda setzen wird.
Anthropic berichtet, dass die umgeleiteten Sitzungen Namen, E-Mail-Adressen und Unternehmensdaten von Nutzern aus den USA, Europa und China enthielten. In einem Fall soll eine Person mit mutmaßlichen Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee Claude gebeten haben, Überwachungsmaterial einer Person in Chengdu zu analysieren. Das Unternehmen erklärte zugleich, nicht zu wissen, ob Moonshot seine Kunden darüber informierte, dass ihre Anfragen das eigene System verließen.
Vorwürfe der Wissensabschöpfung gegen chinesische KI-Labore
Bereits im Februar hatte Anthropic erstmals Vorwürfe der sogenannten Wissensdestillation öffentlich gemacht und in einem Bericht von mehr als 16 Millionen Interaktionen über rund 24.000 Fake-Accounts gesprochen. Damals wurden DeepSeek, Moonshot und MiniMax namentlich genannt. Die nun vorgelegte September-Bilanz summiert sich auf etwa 190 Millionen Interaktionen über sieben Labore, wobei Alibaba allein für mehr als 151 Millionen Vorgänge stehen soll.
Peking weist diese Darstellung zurück. Das chinesische Handelsministerium bezeichnete die Vorwürfe als ohne faktische oder rechtliche Grundlage und warnte vor Gegenmaßnahmen, sollte Washington versuchen, chinesische KI-Unternehmen einzuschnüren.
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