BIP 110 bündelt sieben neue Bitcoin-Regeln – Saylor warnt vor Risiken

BIP 110 bündelt sieben neue Bitcoin-Regeln – Saylor warnt vor Risiken

Michael Saylor ruft Entwickler dazu auf, BIP 110 abzulehnen. Er warnt, die darin vorgesehenen Beschränkungen könnten für Bitcoin (BTC) gefährlicher werden als unerwünschte Blockchain-Daten selbst.

Wichtigste Punkte:

  • BIP 110 würde sieben temporäre Konsensbeschränkungen einführen, um willkürliche Datenspeicherung in Bitcoin-Transaktionen zu begrenzen.
  • Laut Saylor gefährdet das Paket die Protokollneutralität und stützt sich auf einen Miner-Signalwert von 55 %, den er für umstrittene Änderungen als deutlich zu niedrig einstuft.
  • Stattdessen plädiert er für Markt-gesteuerte Gebühren und freiwillige Relay-Richtlinien, anstatt für Konsensregeln, die Transaktionen nach ihrem vermeintlichen Zweck bewerten.

Bitcoin BIP 110

Saylor, Executive Chairman von Strategy, ehemals MicroStrategy, hat seine Einwände auf X öffentlich gemacht. Er argumentiert, der „Reduced Data Temporary Softfork“ tausche neutrale Protokollregeln gegen eine begrenzte und größtenteils symbolische Verringerung der Datenlast auf der Blockchain ein.

Der Vorschlag würde vorübergehend bestimmte Script-Größen deckeln, Taproot-Control-Blocks einschränken und Ausgaben über bislang undefinierte Witness-Versionen unterbinden. Befürworter sehen darin ein Mittel, die Kosten für Full Nodes zu reduzieren und den knappen Blockspace stärker auf Zahlungsverkehr zu konzentrieren.

Grundsätzlich teilt Saylor das Ziel, Node-Betreiber zu schützen, Transaktionskosten erschwinglich zu halten und den Einsatz von Bitcoin als generelles Datenspeichermedium unattraktiver zu machen. Er kritisiert jedoch, BIP 110 setze sieben neue Konsensregeln ein, die gültige, gebührenzahlende Transaktionen zurückweisen, ohne die tatsächlichen Kosten dieser Aktivitäten für das Netzwerk zu quantifizieren.

Nach BIP 3-Standard erreichte der Vorschlag am 25. Juni den Status „Complete“. Das bedeutet, der Autor hält den Entwurf für ausgereift – nicht, dass er bereits auf breite Unterstützung in der Community stößt. Zwar bleiben nicht ausgegebene Outputs, die vor der Aktivierung entstanden sind, geschützt, doch Saylor betont, diese Absicherung löse das grundsätzliche Präzedenzproblem nicht.

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Saylor warnt vor Verlust der Neutralität

Saylor sieht die gravierendsten Risiken in den Auswirkungen auf die künftige Protokollentwicklung: BIP 110 würde reservierte technische Optionen dauerhaft verbauen, die für spätere Upgrades benötigt werden könnten. Dazu zählen etwa Pfade, die mit BitVM in Verbindung stehen – einem experimentellen Ansatz für komplexe Bitcoin-Verträge ohne vertrauenswürdige Gegenpartei.

Zudem kritisiert er, dass alle sieben Einschränkungen in einem Gesamtpaket gebündelt werden und dass die Aktivierung lediglich einen Miner-Signalwert von 55 % erfordern soll – deutlich unter der 95 %-Schwelle, die mit BIP 9-Deployments assoziiert wird.

„Bitcoin braucht keine Hüter der Reinheit. Es braucht Hüter der Neutralität“, schreibt Saylor.

Statt verbindlicher Konsensregeln setzt er auf Preisbildung über Transaktionsgebühren und freiwillige Relay-Policies der Nodes, die Blockspace knapp halten, ohne dass das Protokoll den Inhalt der Transaktionen bewertet. Der aktuelle Konflikt reiht sich ein in frühere Auseinandersetzungen um Datenspeicherung, Transaktionsstandards und Aktivierungsmechanismen von Upgrades – Debatten, die immer wieder die Frage aufwerfen, ob technische Begrenzungen eingeführt werden können, ohne die neutrale Abwicklungsfunktion des Netzwerks zu untergraben.

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