Coinbase verfehlt Q2-Erwartungen – Aktie bricht um 5 % ein, während KI-Agenten das Geschäftsmodell umkrempeln

Coinbase verfehlt Q2-Erwartungen – Aktie bricht um 5 % ein, während KI-Agenten das Geschäftsmodell umkrempeln

Coinbase hat seine Zahlen für das zweite Quartal nach US-Börsenschluss am Donnerstag vorgelegt – und der Markt fällte das Urteil in Sekunden: Die Aktie COIN rutschte im nachbörslichen Handel um rund 5 % auf etwa 154 US-Dollar ab, nachdem die Erlöse quer durch die Bank unter den Erwartungen der Wall Street lagen.

Der Gesamtumsatz belief sich auf 1,22 Milliarden US-Dollar, gegenüber einem Konsens von rund 1,29 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von 18,5 % im Jahresvergleich und ein Minus von 14 % gegenüber dem Vorquartal.

Der GAAP-Verlust von 1,36 US-Dollar je Aktie fiel damit um ein Vielfaches höher aus als der von Analysten erwartete Verlust von etwa 0,42 US-Dollar je Anteilsschein. Die vollständige Präsentation steht auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens bereit.

Wo die Erlöse tatsächlich wegbrachen

Das größte Loch riss das Transaktionsgeschäft: Transaktionserlöse von 599 Millionen US-Dollar trugen die Hauptlast der Enttäuschung. Das Retail-Trading steuerte 452 Millionen US-Dollar bei, ein Rückgang von 20 % gegenüber dem Vorquartal. Die institutionellen Erlöse fielen mit 100 Millionen US-Dollar sogar um 26 %, und sonstige Transaktionserlöse lagen mit 47 Millionen US-Dollar ebenfalls unter Druck – unter anderem wegen schwächerer Sofortüberweisungen und geringerer Aktivität auf der Layer-2-Chain Base.

Auch das Polster, das diese Schwäche eigentlich abfedern sollte, hielt nicht. Die wiederkehrenden Erlöse aus Abonnements und Dienstleistungen summierten sich auf 555 Millionen US-Dollar – erwartet worden waren knapp 599 Millionen US-Dollar. Darin enthalten: 292 Millionen US-Dollar aus Stablecoin-Erlösen, 83 Millionen US-Dollar aus Blockchain-Rewards sowie 66 Millionen US-Dollar an Zins- und Gebührenerträgen.

Finanzchefin Alesia Haas führte die Verfehlung vor allem auf USDC-Deals auf der eigenen Plattform zurück, die sich weiter ins Quartal hineingezogen hätten als geplant, sowie auf fallende Kryptopreise, die die Staking-Erträge belasteten.

Deutlich schärfer fiel allerdings der Blick nach vorn aus. Für das dritte Quartal stellt Coinbase bei Abonnements und Services nur noch 500 bis 580 Millionen US-Dollar in Aussicht – klar unter den bislang von Analysten eingepreisten rund 634 Millionen US-Dollar. Die Q2-Zahlen waren ein Rückschlag für die Vergangenheit. Der Ausblick bedeutet eine Herunterstufung der Zukunft – und genau das ist in der Regel der Hebel, der eine Aktie nachbörslich bewegt.

Warum ein Rekordmarktanteil das Quartal nicht retten konnte

Aus Sicht der Bären ist der Befund etwas unbequem: Operativ lieferte Coinbase durchaus ab. Der Marktanteil am Spot-Handelsvolumen kletterte auf ein Allzeithoch von 10,3 % – das dritte Quartal in Folge mit Zugewinnen. Das Derivatevolumen blieb stabil, während der Gesamtmarkt um 12 % schrumpfte. Coinbase gewann also Marktanteile, obwohl der Kuchen kleiner wurde.

Nur gab der Markt schlicht kaum Stoff her. Das Spot-Volumen der Branche brach um mehr als 20 % ein, die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung sank zweistellig, und die Volatilität fiel auf Mehrjahrestiefs. Doch Volatilität ist der Rohstoff, aus dem eine gebührenfinanzierte Börse wie Coinbase ihren Umsatz generiert.

Disziplin zeigte sich an anderer Stelle. Die bereinigten Aufwendungen lagen bei 1 Milliarde US-Dollar, 9 % weniger als im Vorquartal – auch als Folge des Stellenabbaus im Mai. Das bereinigte EBITDA erreichte 208 Millionen US-Dollar und markierte damit das 14. Quartal in Folge mit positivem Ergebnis. Die Bilanz schloss mit 8,6 Milliarden US-Dollar an Cash und insgesamt 10 Milliarden US-Dollar an liquiden Ressourcen, nachdem ein wandelbares Schuldtpapier über 1,3 Milliarden US-Dollar zurückgezahlt wurde.

Zusätzlich hat Coinbase im laufenden Jahr knapp 7 Millionen eigene Aktien für rund 1,2 Milliarden US-Dollar eingezogen.

Der AiFi-Pitch hinter einem schwachen Quartal

CEO Brian Armstrong nutzte einen Großteil seiner Zeit nicht für die Erklärung der schwachen Zahlen, sondern für ein Thema, das aktuell kaum Umsatz beisteuert.

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Armstrong nennt das Konzept „AiFi“, kurz für „agentic finance“. Sein Narrativ: In naher Zukunft werden Software-Agenten Menschen zahlenmäßig überholen, sie werden sich gegenseitig für Rechenleistung, Daten und Services bezahlen müssen – und können dafür kein klassisches Bankkonto eröffnen.

Die dafür nötige Infrastruktur, so Armstrong, existiert im Kern bereits bei Coinbase. Das Protokoll x402 reaktiviert einen lange ungenutzten HTTP-Statuscode, sodass eine Maschine, die auf einen Paywall-Endpunkt zugreift, die fällige Gebühr direkt in Stablecoins begleichen kann. Base fungiert als Settlement-Layer, USDC (USDC) als Recheneinheit, und „Coinbase for Agents“ liefert die passende Wallet-Infrastruktur.

Armstrong zufolge laufen heute schon die überwältigende Mehrheit der „onchain“ abgewickelten Agenten-Transaktionen über diesen Technologie-Stack.

Unterlegt ist der Pitch mit durchaus handfesten Kennzahlen: Das durchschnittlich auf Coinbase-Produkten gehaltene USDC-Volumen kletterte auf einen Rekordwert von 20 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 44 % im Jahresvergleich. Volumen und Erlöse aus Prognosemärkten verdoppelten sich gegenüber dem Vorquartal, Kredit- und Leihsalden stiegen um 1 Milliarde auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Und 88 % der Nettoumsätze stammen inzwischen aus Geschäften, die nichts mit klassischem Bitcoin-Spot-Handel zu tun haben.

Coinbase läuft zunehmend selbst auf Modellen

Die zweite KI-Geschichte spielt im Inneren des Konzerns. Armstrong berichtete, dass die Zahl der Pull Requests je Entwickler im Jahresvergleich um den Faktor 2,2 gestiegen sei, während die Testabdeckung sich um das 2,5-Fache erhöht habe. Gleichzeitig sei das Inferenz-Budget deutlich langsamer gewachsen als die Nutzung – weil Coinbase viele Workloads auf Open-Weight-Modelle umgezogen habe.

Vor dem Hintergrund der Entlassungen im Mai ergibt sich ein klares Bild: Ein Unternehmen, das mit weniger Personal mehr Software ausliefert, kann seine Kostenbasis durch einen Abschwung hindurch weitgehend stabil halten – genau diese Annahme steckt in der aktualisierten Jahresprognose für bereinigte Aufwendungen von 4,2 bis 4,45 Milliarden US-Dollar.

Worauf es nach den Coinbase-Q2-Zahlen ankommt

Per 26. Juli lagen die Transaktionserlöse im dritten Quartal bei rund 130 Millionen US-Dollar – eine Laufrate, die sich leicht hochrechnen lässt. Die Partnerschaft mit Circle verlängert sich im August automatisch zu unveränderten Konditionen und sichert damit die USDC-Ökonomie ab, die inzwischen etwa die Hälfte des Geschäfts trägt.

Offen bleibt die zentrale Frage, ob das Zahlungsvolumen aus „agentic finance“ rechtzeitig in gebührenrelevante Umsätze umschlägt, bevor der nächste Kryptozyklus dreht. Denn auch nach diesem Quartal zeigen die Coinbase-Q2-Zahlen: Das Unternehmen lebt und stirbt noch immer mit den Preisen der übrigen Krypto-Welt.

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