DeepSeek macht Billig-KI zum Problem für OpenAI und Anthropic

DeepSeek macht Billig-KI zum Problem für OpenAI und Anthropic

Chinas günstigere KI-Modelle gewinnen rasant an Boden bei Start-ups – und werden damit zu einer strategischen Bedrohung für Anthropic und OpenAI.

Wichtigste Punkte:

  • Start-ups testen vermehrt chinesische KI-Modelle, da Token-Kosten für Coding und Workflow-Automatisierung steigen.
  • DeepSeeks Modellanteil am Traffic auf Vercel schnellte von unter 1 % im Mai auf 17 % hoch.
  • US-Labs bleiben technologisch vorne, doch günstigere Modelle könnten die Gewohnheiten von Entwicklern prägen.

China-KI

Die Bloomberg-Opinion-Kolumnistin Parmy Olson schreibt, dass das KI-Rennen womöglich nicht allein vom leistungsfähigsten Modell entschieden wird. Entscheidend könne sein, welche Plattform Entwickler früh adaptieren und in ihre Prozesse einbauen.

Sie verweist auf die zunehmende Nutzung günstiger Modelle von Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence Co. (bekannt als DeepSeek), Alibaba Group Holding Ltd. und Moonshot AI Pte Ltd., während Start-ups versuchen, ihre KI-Ausgaben unter Kontrolle zu bringen.

Ein Gründer eines Londoner Start-ups, der Anthrophics 200-Dollar-Abo „Claude Max“ nutzt, sagte Olson, er fürchte, das Unternehmen könne die Preise für seine Spitzenmodelle um das Fünffache oder mehr anheben.

Diese Sorge steht stellvertretend für ein breiteres Kostenproblem in Teams, die stark auf KI-Coding und hohen Tokenverbrauch setzen: Ingenieure können wöchentlich Rechenleistung im Gegenwert von Tausenden Dollar verbrauchen.

Anthropic und OpenAI haben einen Anreiz, Preise zu erhöhen: Beide subventionieren bislang Vielnutzer, bewegen sich aber Richtung nutzungsbasierter Abrechnung – und bereiten sich auf mögliche IPOs vor, bei denen jede Firma mit rund einer Billion Dollar bewertet werden könnte.

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DeepSeek auf dem Vormarsch

DeepSeeks aktuelles Flaggschiff-Modell kostet laut Olson etwa 0,87 US-Dollar pro einer Million Output-Token – gegenüber rund 30 Dollar bei OpenAI und 25 Dollar bei Anthropic.

Diese Preisdifferenz ist relevant, weil viele Routinetätigkeiten in Unternehmen kein Spitzenmodell brauchen.

Kleinere Systeme können E-Mails vorsortieren, Standardantworten verfassen, Dokumente zusammenfassen, Kundenanfragen beantworten oder Daten bereinigen. Genau hier werden die preisgünstigen chinesischen Modelle für den Alltagsbetrieb von Software attraktiv.

Die Cloud-Plattform Vercel Inc., die den Modell-Einsatz unter Programmierern misst, meldet, dass DeepSeeks Anteil am KI-Traffic von unter 1 % im Mai auf 17 % gestiegen ist.

Auch OpenRouter Inc. berichtet, dass sich die DeepSeek-Nutzung zwischen Januar und Juni 2026 verdoppelt habe. Gleichzeitig gewinnen chinesische Open-Source-Modelle von Xiaomi Corporation, MiniMax Group Inc. und Tencent Holdings Limited Marktanteile bei Tokens – zulasten von Google und OpenAI.

Noch ist die Verschiebung begrenzt: OpenRouter steht für rund 3 % des globalen KI-Traffics und ist stark auf Start-ups und unabhängige Entwickler fokussiert, weniger auf Großkunden aus der Industrie.

Dennoch hat das KI-Assistenten-Start-up Lindy aus San Francisco den Wechsel von Anthrophics Claude zu DeepSeek vollzogen, nachdem die KI-Kosten für das 25-köpfige Team die Personalkosten überstiegen hatten. CEO Flo Crivello spricht von Einsparungen in „Millionenhöhe“.

Größere Unternehmen wie Airbnb Inc. und Anysphere Inc., die Firma hinter Cursor, haben chinesische Modelle zunächst ergänzend in ihren Mix aufgenommen, ohne US-Anbieter komplett zu ersetzen. Rückblickend zeigt sich: US-Labs liefern weiterhin die stärksten Frontier-Modelle – aber in der Softwarebranche setzen sich häufig die Werkzeuge durch, die Entwickler früh übernehmen, regelmäßig nutzen und langfristig in ihre Produkte einbauen.

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