Missbrauch von Ethereum-Adressen steigt auf 65.340 Fälle – Verluste über 574,8 Mio. US-Dollar

Missbrauch von Ethereum-Adressen steigt auf 65.340 Fälle – Verluste über 574,8 Mio. US-Dollar

Eine neue akademische Studie hat 65.340 Fälle von Adressmissbrauch auf Ethereum (ETH) und der BNB Chain identifiziert und mit Kryptoverlusten von insgesamt mehr als 574,8 Mio. US‑Dollar in Verbindung gebracht.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die Forscher fanden 49.344 Fälle von Missbrauch von Contract Accounts und 15.996 Fälle von Missbrauch extern verwalteter Konten (EOA) auf Ethereum und BNB Chain.
  • Die Verluste summierten sich auf rund 127.000 ETH und 17.700 BNB (BNB), während das Erkennungssystem eine Präzision von 99,11 % erreichte.
  • Angreifer nutzten Cross-Chain-Adresswiederverwendung und EIP‑7702 aus, um Gelder abzufangen, die an unsichere Adressen gesendet wurden.

Verluste durch Ethereum-Adressen

Die im Tagungsband des 35. USENIX Security Symposiums veröffentlichte Studie basiert auf Daten von Forschern der Sun Yat-sen University, der Zhejiang University, der Peking University und weiteren Institutionen. Sie identifiziert 49.344 Fälle von Missbrauch von Contract Accounts mit insgesamt 22.738,41 ETH und 8.681,41 BNB sowie 15.996 Fälle externer Accounts mit 104.244,53 ETH und 9.045,29 BNB.

Das Problem begann häufig mit kopierten Testadressen. Eine Uniswap-V2-Router-Adresse, die im Sepolia-Testnetz von Ethereum verwendet wurde, tauchte in Stack-Exchange-Beiträgen mit mehr als 102.000 Aufrufen auf – auf dem Mainnet existierte an dieser Adresse zu diesem Zeitpunkt jedoch kein Contract Code.

Diese Transaktionen schlugen nicht fehl: Da an der Zieladresse kein ausführbarer Code hinterlegt war, wurden die aufgerufenen Funktionen wie normale Transfers behandelt. Das führte dazu, dass das mitgesendete ETH ohne Rückabwicklung in der Adresse „steckenblieb“, statt wie von Nutzern erwartet zurückgewiesen zu werden.

Die Forscher untersuchten rund 2,5 Millionen Transaktionen auf Ethereum und der BNB Smart Chain und meldeten für ihr Erkennungssystem eine Gesamtpräzision von 99,11 %. Ein weiteres Risiko entstand durch offengelegte private Schlüssel.

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Risiken durch Ethereum EIP‑7702

Angreifer verließen sich nicht nur auf Nutzerfehler. In 469 Fällen von Missbrauch von Contract Accounts nutzten sie Cross-Chain-Adresswiederverwendung, um genau an jenen Adressen bösartige Smart Contracts zu deployen, an denen bereits Gelder festsaßen. Dadurch entstanden Verluste von 3.446,37 ETH und 431,79 BNB.

In weiteren 17.270 Fällen spielte EIP‑7702 eine Rolle. Der Vorschlag erlaubt es extern verwalteten Konten (EOA), ihre Ausführungsrechte an einen Smart Contract zu delegieren. Laut den Forschern missbrauchten Angreifer offengelegte Schlüssel, um kompromittierte Accounts an bösartige Verträge zu delegieren, die eingehende Mittel automatisch abräumten. So gingen weitere 25,86 ETH und 33,45 BNB verloren.

Die Studienautoren raten Nutzern, vor Transaktionen stets das aktive Netzwerk zu überprüfen, ausschließlich offizielle Projektdokumentation zu verwenden und Testkonten strikt von produktiven Wallets zu trennen.

Zudem empfehlen sie Wallet-Hinweise, wenn eine Adresse ohne Contract Code auf der aktuell genutzten Chain erkannt wird oder wenn zu einer Adresse ein bekannter, kompromittierter privater Schlüssel vorliegt.

EIP‑7702 wurde mit dem Pectra-Upgrade von Ethereum eingeführt, um extern verwalteten Accounts über delegierte Ausführung flexiblere Smart-Contract-Funktionalitäten zu geben. Damit kann ein einstiger Bedienfehler – etwa ein geleakter Schlüssel von früher – heute zu einem deutlich schnelleren, automatisierten Angriffsvektor werden.

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Steven Zeiler

Steven Zeiler ist Chief Evangelist bei Yellow und arbeitet mit Entwicklern daran, eine Echtzeit-Handelsinfrastruktur ohne Verwahrung mithilfe des Yellow SDK aufzubauen. Als Programmierer, Technologe und Unternehmer arbeitete er zuvor für Ripple, wo er an der Architektur von Peer-to-Peer-Prototypen für Interbankenzahlungen mitwirkte und durch Konsens-Tracking-Software zur Dezentralisierung des XRP Ledgers beitrug.

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