Die Kryptobörse Binance wehrt sich gegen die Erwartung der Aufsichtsbehörden, dass Kryptobörsen jede Form von illegaler finanzieller Exposure eliminieren können.
In einem Interview mit Yellow.com am Rande der Consensus erklärte Dugan Bliss, der bei Binance die Bereiche Aufsichtsfragen und weltweite Rechtsstreitigkeiten leitet, das Unternehmen arbeite an einem aus seiner Sicht branchenführenden Compliance‑Rahmen, räume jedoch ein, dass perfekte Durchsetzung technisch nicht erreichbar sei.
„Was wir haben und ständig weiter verbessern, ist ein branchenführendes Compliance‑Programm“, sagte Bliss. „Das wird jedoch niemals zu Null‑Exposure führen. Das liegt in der Natur der Blockchain.“
Die Aussage macht eine wachsende Spannung zwischen Regulierern und Krypto‑Infrastruktur-Anbietern deutlich, da die Durchsetzungsstandards beginnen, denen traditioneller Finanzinstitute zu ähneln. Die Position von Binance legt nahe, dass sich diese Standards nicht eins zu eins auf dezentralisierte Systeme übertragen lassen.
Aufseher unterschätzen die operativen Grenzen der Blockchain
Bliss sagte, das Unternehmen stehe weiterhin im Dialog mit den Regulierungsbehörden, um diese Einschränkungen zu erläutern, und verwies auf ein aus seiner Sicht weiter verbreitetes Missverständnis darüber, wie Blockchain‑basierte Plattformen funktionieren.
„Ich glaube, es gibt auf Seiten der Regulierungsbehörden ein Missverständnis darüber, was mit Blockchain‑Technologie möglich ist“, sagte er.
Bliss, der zuvor als Senior Trial Counsel bei der US‑Börsenaufsicht SEC tätig war, stellte das Thema in den Kontext einer größeren Lücke zwischen regulatorischer Theorie und operativer Realität.
„Ich glaube nicht, dass Regulierer die Komplexität zu schätzen wissen, mit der man beim Betrieb eines Unternehmens in der Größenordnung von Binance konfrontiert ist“, sagte er und fügte hinzu, diese Herausforderung gehe über Krypto hinaus und betreffe ganz allgemein die Frage, wie Regierungen große private Unternehmen beaufsichtigen.
Binance unterliegt weiterhin Auflagen aus den Vergleichsvereinbarungen mit US‑Behörden aus dem Jahr 2023, darunter Überwachungsregelungen mit dem Justizministerium (Department of Justice) und dem Financial Crimes Enforcement Network. Bliss sagte, das Unternehmen komme seinen Verpflichtungen nach und wies Behauptungen zurück, dass die Compliance‑Bemühungen zu internen Spannungen geführt hätten.
Also Read: Virtuals Protocol Gains 6% While AI-Agent Tokens Draw Fresh May Buying Er wies außerdem Berichte zurück, wonach Abgänge aus den Compliance‑Teams auf tiefere Meinungsverschiedenheiten über die regulatorische Ausrichtung hindeuteten, und bezeichnete diese als normale Fluktuation in der Branche.
Im Kern geht es um die Frage, wie Compliance in einem offenen Finanzsystem definiert wird. Blockchain‑Netzwerke ermöglichen Transaktionen pseudonymer Nutzer über verschiedene Rechtsräume hinweg, was eine absolute Kontrolle über Geschäftspartner schwer durchsetzbar macht.
Compliance‑Debatte könnte Krypto‑Regulierung neu gestalten
Die Haltung von Binance definiert Compliance neu als Bemühung, Exposure zu minimieren, statt sie vollständig zu eliminieren – ein Unterschied, der beeinflussen könnte, wie künftige Regulierung ausgestaltet wird.
Sollten Aufseher weiterhin einen Zero‑Exposure‑Standard verfolgen, könnten Börsen Anforderungen gegenüberstehen, die in der Praxis nicht erfüllbar sind. Eine Verlagerung hin zu risikobasierter Compliance würde einen strukturellen Wandel in der Art darstellen, wie Aufsicht branchenweit angewendet wird.
Die Debatte findet statt, während die Krypto‑Regulierung weltweit in eine klarere Phase eintritt, mit fortschreitenden Gesetzesinitiativen in den USA und Rahmenwerken wie MiCA, die in Europa bereits in Kraft sind.
Bliss machte deutlich, dass echter Fortschritt davon abhängen wird, regulatorische Erwartungen mit technischen Realitäten in Einklang zu bringen, und deutete an, dass die nächste Phase der Krypto‑Politik davon abhängen könnte, die Bedeutung von Compliance in Blockchain‑basierten Systemen neu zu definieren.
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