Japan baut eine neue Blockchain-Infrastruktur für die nahezu sofortige Abwicklung von Aktien- und Staatsanleihegeschäften auf. Im Fokus steht ein Markt mit ausstehenden Staatsanleihen von 1.166,7 Billionen Yen.
Zentrale Punkte:
- Das geplante System soll das aktuelle T+2-Settlement bei Aktien und T+1 bei japanischen Staatsanleihen durch nahezu Echtzeit-Abwicklung ersetzen.
- Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute wollen im Sommer 2026 eine Studiengruppe einsetzen, ein Entwicklungsplan wird für Anfang 2027 erwartet.
- Bei grüner Ampel könnte die neue Infrastruktur Anfang der 2030er Jahre in den Betrieb gehen.
Japans Blockchain-Fahrplan
Wie Nikkei berichtet, wollen die Finanzaufsicht FSA, das Finanzministerium, die Bank of Japan und große Finanzinstitute eine gemeinsame Arbeitsgruppe bilden, um das Blockchain-System zu konzipieren und Zuständigkeiten zu klären. Der Plan soll zugleich einen detaillierten Implementierungsfahrplan enthalten.
Derzeit werden Aktiengeschäfte in Japan zwei Tage nach Handel (T+2) final abgerechnet, Staatsanleihen (Japanese Government Bonds, JGBs) am folgenden Tag (T+1). Eine nahezu sofortige Abwicklung würde es Investoren ermöglichen, Erlöse aus Wertpapierverkäufen fast unmittelbar wieder einzusetzen. Nach Angaben des Finanzministeriums beläuft sich das ausstehende Volumen von JGBs und Treasury Bills auf 1.166,7 Billionen Yen, umgerechnet rund 7 Billionen Dollar.
Dem Vorstoß gingen bereits institutionelle Tests voraus. Mizuho Financial Group, Nomura Holdings, die Japan Securities Clearing Corporation und Digital Asset Holdings starteten am 20. April 2026 einen JGB-Collateral-Pilotversuch auf dem Canton Network. Der Proof of Concept erprobt durchgehende Übertragungen rund um die Uhr, wobei die bestehende rechtliche Behandlung der JGBs im japanischen Wertpapierrecht unangetastet bleibt.
Bedeutung für den JGB-Markt
Die Infrastrukturdebatte fällt in eine Phase, in der Japans Refinanzierungskosten auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten liegen. Die Rendite zehnjähriger JGBs bewegt sich um 2,9 %, 30-jährige Papiere rentieren über 4 %, und die Märkte preisen für September rund 80 % Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Bank of Japan ein.
Schnellere Abwicklung verändert weder Inflation noch Zinsniveau oder Yen-Wechselkurs unmittelbar. Sie könnte jedoch die Kapitalbindung zwischen Handel und finaler Abrechnung spürbar verringern. Das gewinnt bei höheren Zinsen an Gewicht, weil verzögerter Zugriff auf Liquidität mit höheren Opportunitätskosten verbunden ist.
Parallel arbeitet Japan an weiteren Blockchain-Projekten. SBI Holdings und die Solana Foundation entwickeln On-Chain-Finanzinfrastruktur auf Basis von Yen-Stablecoins, während die Bank of Japan separat Blockchain-Lösungen für die Abwicklung von Zentralbankreserven untersucht.
Japan hat die Abwicklungsfristen bereits mehrfach verkürzt: JGBs wurden 2018 auf T+1 umgestellt, Aktien 2019 auf T+2. Die USA zogen 2024 mit einem Wechsel auf T+1 bei Aktien nach. Der neue Vorschlag geht darüber hinaus und zielt auf nahezu sofortige Abwicklung sowohl im japanischen Aktien- als auch im Staatsanleihenmarkt.
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