Verlage werfen OpenAI vor, 78 Millionen ChatGPT-Protokolle verheimlicht zu haben – und fordern harte Gerichtssanktionen

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Alexey BondarevJul, 10 2026 15:20
Verlage werfen OpenAI vor, 78 Millionen ChatGPT-Protokolle verheimlicht zu haben – und fordern harte Gerichtssanktionen

Eine Gruppe von Medienhäusern unter Führung der New York Times hat am Donnerstag ein US-Bundesgericht aufgefordert, OpenAI zu sanktionieren. Der KI-Entwickler soll ein Datenset mit rund 78 Millionen ChatGPT-Unterhaltungen verheimlicht und zudem Milliarden von Protokollen gelöscht haben.

Wichtigste Punkte:

  • Verlage werfen OpenAI vor, mehr als zwei Jahre lang seine Möglichkeit zu verschleiern, ChatGPT-Protokolle und Trainingsdaten nach urheberrechtlich geschützten Artikeln zu durchsuchen.
  • Der Antrag zielt darauf ab, ein 20-Millionen-Log-Sample vom Prozess auszuschließen und verweist auf die Löschung von Milliarden Chats.
  • OpenAI weist alle Vorwürfe zurück und spricht von einem Angriff auf die Privatsphäre der Nutzer.

Vorwürfe zur Beweissicherung gegen OpenAI

Der Sanktionsantrag, der am 9. Juli beim Bundesgericht in Manhattan eingereicht wurde, stammt neben der New York Times auch von der New York Daily News, Ziff Davis und dem Center for Investigative Reporting. Die Kläger werfen OpenAI vor, über mehr als zwei Jahre hinweg die eigene Fähigkeit falsch dargestellt zu haben, die eigenen Systeme gezielt nach urheberrechtlich geschützten Nachrichteninhalten zu durchsuchen.

Während des Verfahrens hatte OpenAI argumentiert, man könne den Trainingskorpus nicht sinnvoll abfragen. Die Vorlage von ChatGPT-Konversationen sei zudem unverhältnismäßig aufwendig und würde die Privatsphäre der Nutzer gefährden.

Diese Linie geriet im April ins Wanken, als der Privacy-Engineer Vincent Monaco in einer Aussage unter Eid offenlegte, dass OpenAI entsprechende Suchläufe intern bereits durchgeführt hatte. Seiner Aussage zufolge hatte das Unternehmen schon vor Klageerhebung rund 78 Millionen anonymisierte Unterhaltungen gesammelt und sie auf Nachrichteninhalte gescreent.

Nach Darstellung der Verlage wurde all dies nie offengelegt, während sie sich monatelang durch ein stark geschwärztes Sample von 20 Millionen Logs arbeiteten – weit weniger als die 120 Millionen, die sie ursprünglich gefordert hatten. Das Gericht hatte diese Stichprobe letztlich als unbrauchbar eingestuft. Der Antrag wirft OpenAI darüber hinaus vor, trotz einer laufenden Anordnung zur Beweissicherung Milliarden weiterer Chats gelöscht zu haben.

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Verlage drängen auf drakonische Sanktionen

Die Kläger verlangen, dass OpenAI im Prozess jede Berufung auf das 20-Millionen-Log-Sample untersagt wird. Zudem soll das Gericht feststellen, dass ChatGPT-Ausgaben in erheblichem Umfang urheberrechtlich geschützte Inhalte der Verlage reproduziert haben – und OpenAI jede gegenteilige Argumentation verwehren. Hinzu kommen der Antrag auf Erstattung der Anwaltskosten und eine Jurybelehrung zum Vorwurf der gelöschten Protokolle.

Hauptanwalt Ian Crosby erklärte, OpenAI habe „die Times, die Daily-News-Kläger, die Öffentlichkeit und das Gericht belogen“, während das Unternehmen bereits durchgeführte Suchläufe verheimlicht habe. Steven Lieberman, Anwalt der Daily News, warf OpenAI vor, „Beweise zu verstecken und zu vernichten, die zeigen, wie ChatGPT mit gestohlener journalistischer Arbeit trainiert wurde“.

Drew Pusateri, Sprecher von OpenAI, wies die Vorwürfe als offenkundig falsch zurück und kündigte an, das Unternehmen werde „weiterhin die Privatsphäre unserer Nutzer und die seit Langem etablierten Grundsätze der Fair Use verteidigen“.

Die New York Times hatte OpenAI und Microsoft im Dezember 2023 verklagt. Ihr Vorwurf: Die Unternehmen hätten auf Grundlage von Millionen Artikeln der Zeitung ohne Erlaubnis und ohne Vergütung ersatzweise Produkte entwickelt. Nach eigenen Angaben hat die Times inzwischen mehr als 28 Millionen US‑Dollar für Rechtsstreitigkeiten mit KI-Firmen aufgewendet – darunter eine separate Klage gegen Perplexity. Anthropic wiederum einigte sich im vergangenen Jahr mit Autorinnen und Autoren auf eine Zahlung von 1,5 Milliarden US‑Dollar wegen der Nutzung raubkopierter Bücher – bislang der größte Urheberrechtsvergleich im KI-Sektor.

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