Revolut-Angreifer haben am Wochenende damit begonnen, Reisepässe und Verifizierungs-Selfies von Kunden zu veröffentlichen. Parallel verlangen sie ein Lösegeld und drohen mit täglich neuen Datenlecks, bis der Fintech-Konzern nachgibt.
Wichtigste Punkte:
- Die Täter veröffentlichen Ausweisdokumente und Selfies von Revolut-Kunden und kündigen tägliche Leaks bis zur Zahlung eines Lösegelds an.
- Im Datenabfluss sollen sich unter anderem Reisepässe, IBANs, Auszahlungsnachweise und vollständige Trading-Historien befinden.
- Revolut spricht von einer sehr kleinen Zahl betroffener Kunden und betont, dass Systeme und Kundengelder unangetastet geblieben seien.
Revolut-Leak wird öffentlich
Der Monitoring-Account International Cyber Digest meldete am 13. September, die Gruppe habe das Warten auf eine Zahlung beendet und begonnen, Datensätze prominenter Kunden zu veröffentlichen. Die erste Tranche umfasste Ausweispapiere und Verifizierungs-Selfies. Laut demselben Account hatten die Angreifer Revolut zuvor per E-Mail kontaktiert und Informationsforderungen gestellt, bevor sie an die Öffentlichkeit gingen.
Bei den nun offengelegten Dokumenten handelt es sich um Unterlagen des Tennisspielers Alexander Shevchenko sowie von Felix Römer, dem CEO der Krypto-Glücksspielplattform Gamdom. Krypto-Medien beziffern die Forderung auf 10.000 Bitcoin (BTC) – umgerechnet knapp 780 Millionen US‑Dollar auf Basis der Montagspreise. Andere Berichte sprechen allerdings davon, dass die genaue Summe bislang nicht bestätigt sei.
Revolut lehnte eine Stellungnahme zu der Lösegeldforderung ab. Ein Sprecher erklärte, die Kerninfrastruktur, Datenbanken und Kundenkonten seien nicht kompromittiert worden.
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ZachXBT warnt vor gezielter Jagd auf Großkunden
Der bekannte On-Chain-Ermittler ZachXBT verbreitete die Revolut-Kundenmitteilung über Telegram und ergänzte mehrere Datenkategorien, die im offiziellen Schreiben des Fintechs nicht genannt wurden – darunter IBANs, Auszahlungsdaten, Berufsangaben und vollständige Bitcoin-Transaktionshistorien. Er stuft den Vorfall zwar als begrenzt im Umfang ein, geht aber von einem gezielten Angriff auf vermögende Kunden aus.
Revolut hat diese Einschätzung bislang weder bestätigt noch dementiert und erklärt nicht, ob gezielt Krypto-Investoren ausgespäht wurden. Sicherheitsforscher warnen, dass die Kombination aus Passkopie und vollständiger Trading-Historie hochgradig personalisierte Phishing-Angriffe und Blockchain-Analysen auf Basis des Klarnamens ermöglicht. Ausweisdokumente und biometrische Verifizierungsbilder erhöhen zudem das Risiko von Identitätsdiebstahl und Social-Engineering-Betrug gegen alle Genannten.
Wie es zum Revolut-Datenabfluss kam
Der Ursprung des Vorfalls liegt nach bisherigen Erkenntnissen in einer einzigen E-Mail, die aus einem Postfach innerhalb der Domain einer real existierenden Regierungsbehörde verschickt wurde. Die Nachricht war technisch korrekt authentifiziert und bestand damit die Sicherheitsprüfungen von Revolut. Banken sind verpflichtet, auf formelle Anfragen von Behörden zu reagieren – und genau so war das Schreiben formuliert.
Kopien der Kundenmitteilung begannen am 12. September zu zirkulieren. Darin bezeichnete Revolut den Vorgang als „raffinierte externe Identitätstäuschung“ und erklärte, man habe Aufseher und Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet.
Mark Karpelès, ehemaliger CEO von Mt. Gox, veröffentlichte noch am selben Tag eine eigene Warnung. Revolut hat bislang nicht offengelegt, wie viele Personen tatsächlich betroffen sind. Das Fintech bedient nach eigenen Angaben mehr als 80 Millionen Kunden in 30 Ländern und treibt aktuell einen Secondary Share Sale voran, der das Unternehmen mit rund 115 Milliarden US‑Dollar bewertet.
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