Die Stablecoin-Reserven auf zentralisierten Kryptobörsen sind seit ihrem Hoch Ende 2025 um rund 16 Milliarden Dollar geschrumpft – just in dem Moment, in dem die Spotnachfrage nach Bitcoin (BTC) in dieser Woche wieder ins Plus gedreht ist.
Wichtigste Punkte:
- Stablecoin-Bestände auf zentralisierten Börsen sind von knapp 80 auf rund 64 Milliarden Dollar gefallen.
- Binance vereint inzwischen 68,5 % dieser Liquidität auf sich – zuvor lag der Anteil im niedrigen 60-%-Bereich; Konkurrenzbörsen verlieren deutlich stärker.
- CryptoQuants Indikator für die tatsächliche Bitcoin-Nachfrage sprang am 18. August bei rund 25.000 BTC erstmals seit sechs Monaten wieder über die Nulllinie.
Stablecoin-Reserven fallen auf 64 Milliarden Dollar
Daten von CryptoQuant zeigen, dass die Stablecoin-Guthaben auf zentralisierten Handelsplätzen auf etwa 64 Milliarden Dollar zurückgegangen sind – ein Minus von rund 20 % gegenüber dem Hoch Ende 2025 nahe 80 Milliarden Dollar.
Damit liegt deutlich weniger „trockenes Pulver“ in den Orderbüchern, um Verkaufswellen aufzufangen, sobald Kurse nachgeben. Stablecoins dienen als dominierende Notierungswährung im Kryptohandel; ihre Börsensalden gelten daher als grober Indikator für sofort verfügbare Kaufkraft.
Binance schwimmt gegen den Strom und steigert seinen Anteil an der Stablecoin-Börsenliquidität von gut 60 % auf nun 68,5 %, während die Bestände bei Coinbase, Bybit und OKX deutlich stärker abgeschmolzen sind. Die Analysten von CQ Research sprechen von einer „sinkenden Gesamtliquidität, die sich zunehmend konzentriert“.
Ein Blick in die Orderbücher erklärt einen Teil dieser Verschiebung. Laut einem Bericht hat Binance im zweiten Quartal 38,7 % des gesamten Spotvolumens auf zentralisierten Börsen auf sich vereint. Bybit folgt mit weitem Abstand bei rund 10 %, während MEXC vom zweiten auf den siebten Platz zurückfiel. Liquidität folgt dem Handel: Wo die tiefsten Orderbücher liegen, sammelt sich auch das verbleibende Kapital.
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Spotnachfrage nach Bitcoin dreht ins Plus
Auf der Blockchain zeichnet sich im August ein anderes Bild ab – und die Wende ist frisch. CryptoQuants Indikator für die „apparent demand“, der neue Angebotsmengen gegen ruhende Coins und Börsenbestände verrechnet, kletterte am 18. August bei rund 25.000 BTC erstmals seit sechs Monaten wieder in den positiven Bereich.
Zuvor war der Wert im Mai bis auf minus 147.000 BTC gefallen, als Bitcoin bei rund 60.000 Dollar seitwärts tendierte und es an klarer Richtung fehlte. Seitdem summieren sich die Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs auf über 52 Milliarden Dollar; allein in einer jüngsten Handelssitzung flossen 297,5 Millionen Dollar hinzu. Der Nachfrageindikator reagiert allerdings verzögert und hinkt dem Marktgeschehen oft um mehrere Tage hinterher.
Liquiditätsabfluss schwächer als im Krypto-Winter 2022
Einige Analysten interpretieren beide Entwicklungen im Zusammenhang und argumentieren, dass Dollar zwar die Börsen-Wallets verlassen, aber direkt in Spotkäufe – etwa über ETFs oder On-Chain-Transaktionen – fließen, statt die Anlageklasse komplett zu verlassen.
Auch die Stimmung hellt sich auf: Der Crypto Fear and Greed Index notierte am Mittwoch bei 46 Punkten – damit immer noch im Bereich „Fear“, aber klar über dem Wert von 27 vor einer Woche.
Zahlen von DefiLlama beziffern das gesamte Stablecoin-Angebot aktuell auf rund 300,9 Milliarden Dollar, etwa 4,8 % unter dem Mai-Hoch von knapp 316 Milliarden Dollar – ein deutlich geringerer Rückgang als die 20 % auf den Börsen. Die Diskrepanz deutet darauf hin, dass Kapital vermehrt On-Chain rotiert, statt flächendeckend abzufließen.
Die letzte echte Liquiditätsklemme war erheblich härter: Zwischen April 2022 und August 2023 schrumpfte das Stablecoin-Angebot um 34 %, während Bitcoin im selben Zeitraum 43 % an Wert verlor.
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