Russlands Inlandsgeheimdienst FSB hat den Gründer des Messengers Telegram, Pavel Durov, wegen Unterstützung des Terrorismus angeklagt und den Chef der App mit rund einer Milliarde Nutzer international zur Fahndung ausgeschrieben.
Wichtigste Punkte:
- Der FSB wirft Durov auf Basis von Artikel 205.1, Absatz 1.1, des russischen Strafgesetzbuchs Beihilfe zu terroristischen Aktivitäten vor und hat einen internationalen Haftbefehl erlassen.
- Ermittler behaupten, Telegram habe Kanäle und Bots nicht entfernt, über die Sabotageakte, Massenmorde und Cyberbetrug in Russland geplant worden seien.
- Die Anklage erfolgt nur wenige Wochen, nachdem Durov eine integrierte, nicht verwahrende Gram-Wallet für den Messenger vorgestellt hat.
FSB-Anklage wegen Terrorunterstützung
Der Geheimdienst wirft Durov vor, gegen Artikel 205.1, Teil 1.1, des russischen Strafgesetzbuchs verstoßen zu haben. Dieser Paragraf stellt Unterstützung terroristischer Aktivitäten unter Strafe. Bei einer Verurteilung droht Durov in Russland eine Freiheitsstrafe bis hin zu lebenslanger Haft.
Nach Darstellung der Ermittler habe die Telegram-Führung Kanäle, Chats und Bots nicht gelöscht, die von ukrainischen Geheimdiensten, Terrorgruppen und extremistischen Organisationen genutzt worden seien, um Sabotageakte, Massenmorde und Cyberbetrug auf russischem Staatsgebiet zu organisieren.
Der Dienst erklärte, diese Aktivitäten hätten zahlreiche Todesopfer gefordert, darunter Frauen und Kinder, sowie Sachschäden in Milliardenhöhe verursacht. Seit Juli 2025 hätten Einsatzkräfte 46 Nutzer eines Dating-Bots im Alter von 12 bis 22 Jahren in ganz Russland festgenommen.
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Telegram-Beschränkungen und Durovs Dementi
Durov hatte das Strafverfahren Ende Februar selbst öffentlich gemacht und Moskau beschuldigt, Vorwände zu konstruieren, um Russen vom Messenger abzuschneiden und das Recht auf Privatsphäre und freie Meinungsäußerung zu beschneiden. Über die Plattform verbreiten sowohl staatliche Stellen als auch Kriegsreporter und Propagandakanäle beider Seiten Informationen zum Ukrainekrieg.
Russische Gerichte haben Telegram wiederholt mit Geldstrafen belegt, weil Inhalte nicht wie angeordnet entfernt worden seien. Die Sanktionen beliefen sich dem Vernehmen nach allein im ersten Halbjahr 2026 auf mehr als 100 Millionen Rubel, rund 1,3 Millionen US-Dollar. Die Aufsichtsbehörde Roskomnadzor begann im Februar, Telegram technisch auszubremsen, und hat die Einschränkungen seither schrittweise verschärft – offiziell wegen Betrugsfällen und nicht gelöschter Inhalte. Durov wiederum wirft den Behörden vor, Nutzer auf den staatlich gestützten Messenger MAX des Techkonzerns VK drängen zu wollen, den Kritiker als Überwachungs- und Zensurinstrument einstufen.
In Frankreich wurde Durov im August 2024 wegen des Umgangs von Telegram mit Kriminalität auf der Plattform festgenommen. Die dortigen Behörden hoben sein Ausreiseverbot im November 2025 wieder auf, während die Ermittlungen weiterliefen.
Gram-Wallet und Telegrams Krypto-Offensive
Die Terroranklage fällt in eine Phase, in der Telegram seine Krypto-Aktivitäten deutlich ausbaut. Am 21. Juli hat Durov eine native, nicht verwahrende Wallet für Gram (GRAM) direkt in allen App-Versionen angekündigt. Nutzern stellte er sofortige, gebührenfreie Transfers innerhalb des Telegram-Ökosystems in Aussicht – ein Volumen, das bislang keine Self-Custody-Wallet erreicht.
Der Gram-Token wurde bislang als Toncoin gehandelt, bis am 15. Juni eine Governance-Abstimmung mit rund 81 % Zustimmung den Namen wiederherstellte, den Durovs Team bei einem Tokenverkauf 2018 verwendet hatte, der von US-Regulierern gestoppt worden war. Inzwischen hat Telegram die Verantwortung für das Netzwerk von der TON Foundation übernommen und ist zu dessen größtem Validator aufgestiegen – und stärkt damit seinen Einfluss auf die von dem Unternehmen initiierte Blockchain. Am Mittwoch notierte der Token bei etwa 1,41 US-Dollar und lag damit rund 3 % unter dem Stand vom Vortag.
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