Der russische Technologiekonzern Yandex hat am Donnerstag mitgeteilt, dass ein Drohnenangriff in seinem größten Rechenzentrum einen Brand ausgelöst und eine komplette Abschaltung erzwungen hat. Die Aktie verlor daraufhin mehr als 3 %.
Wichtigste Fakten:
- Yandex hat sein Rechenzentrum im russischen Sasowo in der Region Rjasan nach einem Brand, den das Unternehmen einem Drohnenangriff zuschreibt, vollständig vom Netz genommen.
- In der Anlage stehen zwei der drei Supercomputer des Konzerns; ihr Zustand ist weiterhin unklar.
- Die Ukraine hat sich zu dem Angriff bislang nicht geäußert. Er folgt auf wochenlange russische Attacken auf ukrainische Rechenzentren.
Details zur Abschaltung bei Yandex
Yandex teilte mit, Drohnen hätten die Anlage im Ort Sasowo in der Region Rjasan getroffen und einen Brand ausgelöst, der Teile der Infrastruktur beschädigt habe. Verletzte gab es demnach nicht. Der Standort wurde vollständig außer Betrieb genommen. Zentrale Verbraucherdienste blieben nach Unternehmensangaben funktionsfähig; betroffene Angebote würden nach und nach wiederhergestellt.
Yandex Cloud meldete ab etwa 1:31 Uhr Ortszeit Stromprobleme in einer Verfügbarkeitszone und riet Kunden, Workloads in andere Regionen zu verlagern. Später erklärte der Konzern, die Last sei auf andere Standorte verschoben worden, die regulär liefen. Kunden müssten aber weiterhin mit Einschränkungen bei der Bereitstellung neuer Cloud-Ressourcen rechnen.
Die Yandex-Aktien gaben im frühen Handel an der Moskauer Börse um mehr als 3 % nach. Der Gouverneur der Region Rjasan, Pawel Malkow, nannte das Unternehmen nicht beim Namen und sprach lediglich von einem Dachbrand auf dem Gelände eines Betriebs im Verwaltungsbezirk Sasowo. Er hatte den Komplex 2022 als Standort für „Zehntausende Server“ beschrieben.
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Risiko für die Supercomputer
Das Rechenzentrum in Sasowo beherbergt zwei der drei Supercomputer von Yandex, „Lyapunov“ und „Chervonenkis“, mit denen der Konzern seine neuronalen Netze trainiert. Der dritte Hochleistungsrechner steht in Wladimir. „Chervonenkis“, die leistungsstärkste Maschine des Unternehmens, rangierte 2021 auf Platz 19 der weltweiten Top500-Liste der Supercomputer, fiel jedoch infolge sanktionsbedingter Modernisierungsprobleme aus den Top 100.
Yandex hat bislang keine Angaben zum Zustand der beiden Systeme gemacht. Die Internet-Überwachungsgruppe NetBlocks registrierte eine deutliche Störung im Yandex-Netz: Die Konnektivität fiel auf rund 70 % des Normalniveaus, Ausfälle betrafen unter anderem die Dienste Yandex Disk und Yandex Documents. Unklar ist auch, ob das Rechenzentrum das eigentliche Ziel war – die Anlage befindet sich seit 2014 auf dem Gelände des Werkzeugmaschinenherstellers Sasta, der 2024 von Großbritannien wegen seiner Rolle in der Rüstungsindustrie sanktioniert wurde.
Rechenzentren im Ukraine-Krieg
Yandex betreibt fünf große Rechenzentren in Russland; der Brand markiert den ersten Fall seit Kriegsbeginn, in dem ein bedeutender russischer Datenstandort vollständig ausfällt.
Die Ukraine äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, seine Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 399 ukrainische Drohnen über 18 Regionen sowie der annektierten Krim abgefangen.
Russland greift seit September verstärkt ukrainische Rechenzentren an. Seit dem 23. September wurden nach Kiewer Angaben Standorte von mindestens acht Unternehmen beschädigt oder zerstört. Ein Angriff an diesem Tag kappte demnach die Festnetz-Internetverbindung für rund 100.000 Haushalte in Kiew und der umliegenden Region. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, die angegriffenen Einrichtungen dienten der Verarbeitung von Aufklärungsdaten für die ukrainischen Streitkräfte.
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