Der russische Technologiekonzern Yandex hat am Sonntag sein Rechenzentrum im Gebiet Wladimir vom Netz genommen – bereits die dritte Anlage des Unternehmens, die binnen vier Tagen von Drohnen getroffen wurde, und der zweite Standort, an dem zentrale KI-Supercomputer stehen.
Wichtigste Punkte:
- Yandex hat sein Rechenzentrum Wladimir nach einem Drohnenangriff komplett vom Netz genommen und meldet keine Verletzten.
- Der Standort ist nach Sasowo und Kaluga bereits die dritte Yandex-Anlage, die seit dem 8. Oktober getroffen wurde.
- Yandex erklärte 2021, dass seine drei KI-Supercomputer in Sasowo und Wladimir betrieben werden.
Stillstand im Yandex-Rechenzentrum Wladimir
Das Unternehmen teilte mit, der Angriff habe die Infrastruktur beschädigt und zu einem vollständigen Betriebsstopp an dem östlich von Moskau gelegenen Standort geführt. Verletzte habe es nicht gegeben, hieß es, doch einige Dienste seien weiterhin nicht erreichbar. Der Gouverneur des Gebiets Wladimir, Alexander Awdejew, bestätigte einen Brand und erklärte, der Einschlag habe zeitweise die Stromversorgung von rund 5.000 Einwohnern unterbrochen.
Yandex Cloud warnte seine Kunden, die Plattform laufe im Notfallmodus, die verbliebene Architektur sei „instabil“, und rief sie auf, ihre Notfall- und Backup-Pläne zu aktivieren. Nutzer der Taxi-App Yandex Go meldeten fehlgeschlagene Fahrtbestellungen in ganz Russland sowie in Serbien, Kasachstan, Belarus und Armenien; russische Medien berichteten zudem von Störungen bei Musikdiensten und vernetzten Smart-Home-Anwendungen.
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Yandex-KI-Supercomputer unter Beschuss
Yandex erklärte bereits 2021, dass zwei seiner drei Supercomputer – „Chervonenkis“ und „Lyapunov“ – in Sasowo stehen, während der dritte, „Galushkin“, in Wladimir betrieben wird. Die Systeme dienen vor allem zum Training des Modells YandexGPT. Ob der Angriff auf Sasowo die dortigen Supercomputer beschädigt hat, wollte das Unternehmen nicht kommentieren. Sberbank, der wichtigste inländische Wettbewerber, hatte zuletzt erklärt, russische KI-Entwickler lägen rund sechs bis neun Monate hinter US- und chinesischen Rivalen zurück; Importprobleme bei Hochleistungschips infolge der Sanktionen gelten als zentraler Engpass.
Yandex erklärte zudem, man könne derzeit nicht sagen, ob sich die Anlagen in Sasowo überhaupt wiederherstellen lassen.
Am 10. Oktober passte das Unternehmen seine Nutzungsbedingungen an und nahm Drohnen- und Raketenangriffe ausdrücklich in die Klauseln zu höherer Gewalt auf – ein Schritt, der es von vertraglichen Verpflichtungen entbinden kann. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte bereits im August per Dekret festgelegt, dass der Staat kritische Infrastruktur unter staatliche Kontrolle stellen kann, wenn sie als unzureichend gegen Drohnen geschützt gilt. Nach dem Angriff auf das Rechenzentrum in Kaluga gaben Yandex-Aktien an der Moskauer Börse rund 4 % nach.
Reaktion aus Kiew auf Datenzentrumsangriffe
Zur Attacke auf Wladimir liegt aus Kiew bislang keine Stellungnahme vor. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 8. Oktober, die Ukraine reagiere spiegelbildlich auf russische Angriffe auf ukrainische Rechenzentren, könne jedoch nicht alle Einzelheiten offenlegen.
Die aktuelle Angriffswelle begann am 8. Oktober, als Drohnen in Sasowo einen Brand auslösten und den Standort komplett lahmlegten – der erste größere Schlag gegen ein russisches Datenhub seit Beginn des Kriegs. Einen Tag später wurden durch Drohnenangriffe mehrere Module des Rechenzentrums in Kaluga südwestlich von Moskau außer Betrieb gesetzt. Russland hatte in den Wochen zuvor mehrfach ukrainische Rechenzentren und Telekommunikationsknoten attackiert; ein Angriff kappte vorübergehend den Internetzugang für rund 100.000 Haushalte.
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