HTX Ventures analysiert Open USD: Wie sich Stablecoin-Erlöse und Macht über Spielregeln neu verteilen

HTX Ventures: Open USD könnte Erlöse und Macht in der Stablecoin-Industrie von Emittenten hin zu Netzwerkteilnehmern umverteilen.
vor 1 Stunde
HTX Ventures analysiert Open USD: Wie sich Stablecoin-Erlöse und Macht über Spielregeln neu verteilen

APIA, Samoa, 13. August 2026 /PRNewswire/ -- HTX Ventures, die globale Investment-Sparte von HTX, hat einen neuen Bericht mit dem Titel Open Infrastructure, Closed Financial Rails: Open USD, Revenue Redistribution, and Participant Governance veröffentlicht. Darin untersucht das Haus, wie sich nach der Vorstellung von Open USD (OUSD) am 30. Juni 2026 die Verteilung von Stablecoin-Erlösen, die Beziehungen in den Vertriebskanälen und die Governance-Strukturen zu verschieben beginnen.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Blockchain-Technologie zwar eine offene, globale und programmierbare technische Infrastruktur geschaffen hat – die nächste Entwicklungsphase der Branche jedoch davon abhängt, wie Marktteilnehmer um Kontrollrechte und die Verteilung der wirtschaftlichen Erträge ringen. Die technische Ebene ist offen, die ökonomische Ebene beginnt sich erst zu öffnen.

Geschlossene Ertragsstrukturen auf offener Technologie

Stablecoins haben sich von reinen Abwicklungsinstrumenten im Kryptohandel zu Bausteinen für grenzüberschreitende Zahlungen, Corporate Treasury Management und institutionelles Backoffice-Clearing entwickelt. Visas Pilotprojekt zur Stablecoin-Abwicklung erreichte bis April 2026 auf neun Blockchains eine annualisierte Abwicklungsrate von rund 7 Milliarden US-Dollar. Parallel loten Swift, das Canton Network, Fnality und Project Agorá aus, wie tokenisierte Einlagen und Zentralbankgeld in gemeinsamen Umgebungen final abgewickelt werden können.

Die wirtschaftlichen Ansprüche bleiben jedoch weitgehend entlang vertrauter Linien verteilt. Emittenten prägen Stablecoins gegen US-Dollar-Einlagen, investieren die Reserven in Kasse und kurzfristige Staatsanleihen – und vereinnahmen die Zinsüberschüsse bislang im Wesentlichen allein. Gleichzeitig ist das System auf die Mitarbeit anderer Akteure angewiesen: Börsen und Wallets sichern den Zugang der Endnutzer, Payment-Dienstleister binden Händler an, Banken stellen Fiat-On- und Off-Ramps bereit, Verwahrer managen die Reserven, Market Maker sorgen für Liquidität im Sekundärhandel. Diese Institutionen tragen Integrations-, Compliance- und Liquiditätskosten und verdienen heute überwiegend über bilaterale kommerzielle Vereinbarungen – wobei ihre Verhandlungsmacht stark von der eigenen Nutzerbasis abhängt.

Drei institutionelle Weichenstellungen im OUSD-Design

Im Rahmen des Open-Standard-Modells können Unternehmen OUSD kostenlos und ohne Volumenbegrenzung prägen und einlösen. Open Standard erhebt eine geringe Managementgebühr; der verbleibende Zinsertrag auf die Reserven soll an Partner fließen, die OUSD einführen und vorantreiben, sowie an ausgewählte Partner, die in den Verwaltungsrat einziehen sollen. Die veröffentlichte Partnerliste umfasst mehr als 140 Unternehmen, darunter Visa, Mastercard, American Express, Stripe, Coinbase, BlackRock und BNY.

HTX Ventures unterteilt den Ansatz in drei strukturelle Verschiebungen:

  • Von gebührenbasierter Anbindung zu subventionierter Distribution: Reserveerträge werden genutzt, um tatsächlich hohe Investitionen in Kundengewinnung, Liquidität, lokale Regulierungskonformität und Fiat-Infrastruktur zu kompensieren;
  • Von bilateralen Verhandlungen zu netzwerkweiter Erlösteilung: Mittelgroße Zahlungsdienstleister, Regionalbanken und spezialisierte Wallets werden in einen gemeinsamen Rahmen eingebunden, in dem Partner nach ihrem Beitrag am Ertrag partizipieren;
  • Von Emittenten-Governance zu Teilnehmer-Governance: Institutionen, die das operative und regulatorische Risiko tragen, erhalten Mitspracherechte bei der Ausgestaltung der Spielregeln.

Der Start von OUSD ist für Ende 2026 geplant. Bemerkenswert ist, dass OUSD denselben Code wie der 2020 lancierte Origin Dollar von Origin Protocol nutzt, die beiden Stablecoins aber eigenständige Produkte darstellen.

Die Details der Umsetzung entscheiden über die Tragfähigkeit des Modells

Nach Einschätzung von HTX Ventures hängt die Tragfähigkeit des Modells an konkreten Mechanismen. Die Regeln zur Erlösverteilung bestimmen direkt, wer welchen Wert abschöpft: Eine Zuordnung nach Bestandsvolumen begünstigt kapitalstarke Institute; eine Zuordnung nach Transaktionsvolumen kann durch interne Umbuchungen verzerrt werden, die Aktivität ohne realwirtschaftliche Zahlungen erzeugen. Ein praxistauglicher Mechanismus müsste Bestandsbindung, reale Zahlungsströme, Neukundengewinnung und Investitionen in regionale Compliance gemeinsam gewichten. Ebenso kommt es in der Governance nicht auf die Zahl der aufgelisteten Partner an, sondern darauf, was das Gremium tatsächlich entscheiden kann.

Grundsätzlicher gilt: Zwischen dem Beitritt zu einem Konsortium und der Verlagerung des Kerngeschäfts in dessen Infrastruktur liegt ein weiter Weg. Den ökonomischen Wert eines Netzwerks bestimmen am Ende stabile Bestände, reale Zahlungsvolumina, Markttiefe im Handel und reibungslose Rücknahmen.

Umverteilung von Erlösen entlang der Wertschöpfungskette

Sollten Modelle der Erlösteilung dauerhaft signifikante Zahlungsvolumina anziehen, dürfte der Spielraum der Emittenten, den gesamten Zins-Spread auf die Reserven selbst zu behalten, schrumpfen. Börsen, Wallets und Zahlungsdienstleister, die den Zugang zu Nutzern, Liquidität und Use Cases kontrollieren, könnten sich von reinen Distributionskanälen zu Mitinhabern von Erlösbeteiligungs- und Governance-Rechten entwickeln. Für Banken ist der Effekt ambivalent: Einlagenbestände und Korrespondenzbank-Gebühren könnten unter Druck geraten, zugleich bleiben Stablecoins auf Reserveverwahrung, Fiat-On-/Off-Ramps und FX-Liquidität angewiesen. Kartennetzwerke dürften direkt nur begrenzt betroffen sein, da ihr Kerngeschäft in Autorisierung, Betrugsprävention und Händlerakzeptanz liegt. In Clearing, Verwahrung und Datenservices könnten Gebühren auf Basis proprietärer Datensilos sinken, während Dienste rund um Sicherheit und Haftung an Bedeutung gewinnen.

Die nächste Wettbewerbsdimension

Open USD wirft eine Frage auf, die weit über Stablecoins hinausreicht: Wenn Banken, Zahlungsabwickler, Börsen, Vermögensverwalter und Verwahrer die zugrundeliegenden Assets, die Kundenbeziehungen, die Liquidität und die Compliance-Kompetenz bereitstellen – wie werden Erträge und Kontrolle entlang der Wertschöpfungskette künftig verteilt?

Die größten Verschiebungen sind dort zu erwarten, wo mittel- und backoffice-nahe Infrastruktur gefragt ist: In Bereichen, in denen mehrere Institute zusammenwirken müssen und keine einzelne Plattform allein Reichweite, regionale Lizenzen, Fiat-Anbindung und Kontrahentennetzwerke bereitstellen kann. Institute benötigen gemeinsame Infrastruktur, sind jedoch wenig bereit, Kernprozesse, Kundendaten und Risikosteuerung an einen direkten Wettbewerber abzugeben. Konsortiale Governance und Erlösteilungsmodelle sind daher weniger Ausdruck eines Dezentralisierungs-Ideals als vielmehr kommerzielle Notwendigkeit für netzwerkübergreifende Finanzmarktarchitekturen.

HTX Ventures betont, dass sich entlang dieser Entwicklungslinie der Wettbewerb im Stablecoin-Sektor von Emissionsvolumen und On-Chain-Liquidität hin zu folgenden Fragen verlagert: Wer stiftet echten Netzwerknutzen? Wer partizipiert an den Infrastrukturerlösen? Wer hält die Kundenbeziehung und die Daten? Und wer definiert die Betriebsregeln? Die nächste Generation der Finanzmarktinfrastruktur muss nicht vollständig dezentral sein; wahrscheinlicher ist eine Entwicklung weg von der Kontrolle einzelner Unternehmen hin zu Netzwerken, in denen regulierte Teilnehmer über abgestufte Strukturen verbunden sind, Erträge teilen und zentrale Weichenstellungen gemeinsam beschließen.

Als Research- und Investmenthaus mit langjährigem Fokus auf Zahlungsinfrastruktur und institutionelle Abwicklungsnetzwerke wird HTX Ventures weiter beobachten, wie die Umverteilung von Erlösen, Kundenbeziehungen und Regelsetzung die strategische Ausrichtung der Branche prägt.

Über HTX Ventures

HTX Ventures ist die globale Investment-Sparte von HTX und verbindet Investment, Inkubation und Research, um die vielversprechendsten und innovativsten Projekte am Markt zu identifizieren und zu fördern. Besuchen Sie uns hier.

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