US-Senator Richard Blumenthal hat am Donnerstag von Cantor Fitzgerald umfassende Unterlagen zu den Geschäftsbeziehungen mit Tether (USDT) angefordert. Im Zentrum steht eine auf rund 10 Milliarden US‑Dollar geschätzte 5%-Beteiligung.
Zentrale Punkte:
- Blumenthal schickte Cantor-Chairman Brandon Lutnick 13 detaillierte Fragen und setzte den 23. Oktober als Frist für die Antworten.
- Gefordert werden Angaben zu Cantors Tether-Umsätzen, Compliance-Unterlagen sowie zu den Erträgen der Familie Lutnick aus der Partnerschaft.
- Beide Unternehmen äußerten sich zunächst nicht; die Demokraten haben als Minderheit im Senat derzeit kein eigenes Subpoena‑Recht.
Blumenthals Schreiben an Cantor
Blumenthal, ranghöchster Demokrat im ständigen Unterausschuss für Ermittlungen des US-Senats, wandte sich mit dem Schreiben an Brandon Lutnick, den Chairman von Cantor und Sohn des Handelsministers Howard Lutnick. In dem Brief listet er 13 Informationsersuchen auf und setzt eine Frist bis zum 23. Oktober.
Der Senator aus Connecticut führt aus, die Cantor-Beteiligung an Tether sei seit der Rückkehr von Präsident Donald Trump ins Weiße Haus von 600 Millionen auf geschätzte 10 Milliarden Dollar angewachsen. Zudem kassiere das Institut laut Brief jährlich zweistellige Millionenbeträge für Vermögenswerte, die es für Tether verwahre. Howard Lutnick habe im gleichen Zeitraum mehr als 250 Millionen Dollar vereinnahmt, darunter eine Ausschüttung von 192 Millionen Dollar von Cantor, schreibt Blumenthal.
Weder Cantor Fitzgerald noch Tether reagierten zunächst auf entsprechende Presseanfragen.
Blumenthal fragt unter anderem, ob Cantor von Tether regelmäßige Prüfungen durch einen unabhängigen Abschlussprüfer verlangt und wie das Haus die Einhaltung von Sanktionsvorschriften durch den Stablecoin-Emittenten überwacht. Zudem verlangt er Details zu den Bedingungen, unter denen Howard Lutnick seine Cantor-Anteile abgegeben hat – einschließlich möglicher Tether-Darlehen, mit denen die Beteiligung auf seine Kinder übertragen worden sein könnte.
Lesen Sie auch: Wie viel verdient der CEO von Anthropic? Börsenprospekt liefert Details
Politische Brisanz der Tether-Ermittlungen
Blumenthal argumentiert, Cantors Engagement bei Tether erfolge „auf Kosten der nationalen Sicherheit der USA“. Ein Großteil der Tether-Reserven werde von Cantor in den Vereinigten Staaten verwahrt, während Tether offiziell einen Sitz in El Salvador beanspruche. Aus dieser Diskrepanz ergebe sich für den Kongress ein Hebel, Einblick in die Stablecoin-Industrie zu gewinnen.
Da die Demokraten im Senat derzeit in der Minderheit sind, kann Blumenthal Cantor rechtlich nicht zur Auskunft zwingen. Sollte die Partei nach der Wahl im November die Mehrheit erlangen, würden die demokratischen Ausschussvorsitzenden jedoch über Subpoena‑Befugnisse verfügen. Auf den Prognoseplattformen Kalshi und Polymarket lagen die Wahrscheinlichkeiten dafür am Donnerstag Berichten zufolge bei 61 % beziehungsweise 64 %.
Iran-Bericht rückt USDT in den Fokus
Das Schreiben knüpft an einen Bericht vom 28. September an, den die demokratischen Mitarbeiter des Unterausschusses vorgelegt hatten. Darin heißt es, 84 % von 846 sanktionierten oder wegen Iran-Bezügen beobachteten Wallets hätten nahezu ausschließlich mit USDT transagiert. Blumenthal bat daraufhin das US-Finanzministerium und das Justizministerium um Ermittlungen. Tether wiederum erklärte, man habe in diesem Jahr geholfen, fast 550 Millionen Dollar an Iran-bezogenem USDT einzufrieren. Cantor verwahrt seit 2021 Reserven für Tether und sicherte sich 2024 das Recht auf eine 5%-Beteiligung.
Als Nächstes lesen: OpenAIs 722 KI-Math-Papers sind öffentlich – jetzt müssen Mathematiker urteilen

