Circle (USDC)‑Aktien fielen am Dienstag um rund 20 % – ihr stärkster Tagesverlust seit dem Börsengang im Juni 2025 – nachdem ein Entwurf des US‑amerikanischen Clarity Act kursierte, der ein Verbot passiver Stablecoin‑Renditen vorsieht und damit einen zentralen Anreiz für das Halten von USDC bedroht.
Die Aktie erholte sich am Mittwoch teilweise und wurde bei rund 104 US‑Dollar gehandelt, nachdem Analysten von Bernstein und Bitwise die Heftigkeit der Marktreaktion infrage stellten.
Der Rivale Tether (USDT) verstärkte den Druck, als das Unternehmen bekanntgab, dass es sich für seine erste vollständige Prüfung der USDT‑Reserven eine Big‑Four‑Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gesichert hat.
Der Kursrutsch löschte rund 5,6 Milliarden US‑Dollar an Marktkapitalisierung aus und folgte auf einen Kursanstieg der Circle‑Aktien um 170 % seit Anfang Februar. Coinbase, Circles wichtigster Distributionspartner für USDC, verlor aufgrund derselben Nachricht etwa 10 %.
Der jüngste Entwurf des Clarity Act, mitverfasst von den Senatoren Angela Alsobrooks (D‑Md.) und Thom Tillis (R‑N.C.), würde Plattformen untersagen, „direkt oder indirekt“ Rendite auf Stablecoin‑Bestände oder etwas „ökonomisch Gleichwertiges zu Zinsen“ anzubieten.
Diese Formulierungen zielen darauf ab, wie Unternehmen wie Coinbase derzeit Erträge an Nutzer ausschütten – aktuell rund 3,5 % auf USDC‑Guthaben – und könnten zudem den Zugang zu Transaktionsdaten beschränken, die zur Berechnung von Rewards genutzt werden.
Warum Analysten sagen, der Ausverkauf verkennt das Risiko
Analysten von Bernstein argumentierten, der Markt habe Circle als Emittent mit den Distributoren verwechselt, die die Rendite tatsächlich an Endnutzer weiterreichen. Circle erzielt jährlich etwa 2,64 Milliarden US‑Dollar an Erträgen aus Reserven – erwirtschaftet aus rund 80 Milliarden US‑Dollar in kurzfristigen US‑Staatsanleihen, die USDC hinterlegen – und zahlt keine Rendite direkt an Token‑Inhaber.
Die Begrenzung der Auszahlungen durch Distributoren könnte laut Bernstein den Wettbewerbsdruck durch renditegetriebene Konkurrenten verringern, statt Circle direkt zu schaden. Das Haus bestätigte ein Outperform‑Rating mit einem Kursziel von 190 US‑Dollar.
Ryan Rasmussen, Forschungsleiter bei Bitwise, bezeichnete die Marktreaktion als überzogen. Circle liege trotz des Rückgangs seit Jahresbeginn immer noch über 30 % im Plus, merkte er an.
Rasmussen sagte, Circle halte rund 30 % eines Stablecoin‑Marktes, der laut Citi‑Prognosen im Basisszenario bis 2030 ein Volumen von 1,9 Billionen US‑Dollar erreichen könnte. Treueprogramme und aktivitätsbasierte Reward‑Strukturen könnten seiner Ansicht nach als regelkonforme Umgehungsmöglichkeiten unter den vorgeschlagenen Regeln dienen.
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Tethers Prüfungsschritt bringt eine neue Wettbewerbskomponente
Der Ausverkauf fiel mit Tethers Mitteilung zusammen, dass das Unternehmen eine Big‑Four‑Gesellschaft für eine vollständige Finanzprüfung engagiert hat – ein Transparenzschritt, den institutionelle Investoren und Aufsichtsbehörden nach Jahren reiner „Attestierungen“ schon lange gefordert hatten.
Tethers USDT weist eine Marktkapitalisierung von rund 184 Milliarden US‑Dollar auf und bleibt der weltweit dominierende Stablecoin, auch wenn er in den USA nicht formell reguliert ist. Tether hat zudem USAT, einen auf die USA ausgerichteten Stablecoin, eingeführt.
Analysten von William Blair erklärten, Tethers Fortschritte bei der Prüfung führten nicht automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Das Unternehmen stehe vor erheblichen Hürden auf dem Weg zur GENIUS‑Act‑Konformität, darunter mögliche US‑Regulierungsprüfungen wegen mutmaßlich unerlaubter Nutzungsformen von USDT.
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