Ein im Februar auf arXiv veröffentlichtes Paper der Forscher des Cambridge Centre for Alternative Finance, Wenbin Wu und Alexander Neumueller, präsentiert die erste Langzeitstudie zur physischen Infrastruktur-Resilienz von Bitcoin. Sie umfasst 11 Jahre Peer-to-Peer-Netzwerkdaten, 658 Unterseekabel und 68 verifizierte Kabelstörungsereignisse.
Das zentrale Ergebnis: Zwischen 72 % und 92 % der weltweiten grenzüberschreitenden Unterseekabel müssten gleichzeitig ausfallen, bevor Bitcoin (BTC) signifikante Knotentrennungen erleidet.
Ein gezielter Angriff auf fünf große Hosting-Provider könnte jedoch eine ähnliche Störung verursachen, indem nur 5 % der Routing-Kapazität entfernt werden.
Das Paper erscheint in einer Phase, in der Sabotage an Unterseekabeln verstärkt geopolitische Aufmerksamkeit erhält: Die Straße von Hormus ist beeinträchtigt, und Infrastrukturangriffe in umkämpften Regionen nehmen zu.
Was die Daten zeigen
Die Forscher führten pro Szenario 1.000 Monte-Carlo-Simulationen über den gesamten Datensatz durch. Von den 68 untersuchten realen Kabelstörungen verursachten 87 % weniger als 5 % Beeinträchtigung der Knoten.
Das größte Einzelereignis – als Meeresbodenstörungen vor der Elfenbeinküste im März 2024 sieben bis acht Kabel gleichzeitig durchtrennten – betraf weltweit nur fünf bis sieben Bitcoin-Knoten, also rund 0,03 % des Netzwerks.
Die Korrelation zwischen Kabelausfällen und dem Bitcoin-Preis lag bei -0,02, also praktisch bei null. Die Asymmetrie wird deutlich, wenn das Angriffsmodell von zufällig auf gezielt wechselt.
Während zufälliges Entfernen von Kabeln eine Schwelle von 72–92 % erreichen muss, um Fragmentierung zu verursachen, senkt das gezielte Ausschalten von Kabeln mit der höchsten Betweenness-Zentralität – also jenen, die als kontinentale Engpässe dienen – diese Schwelle auf 20 %. Die Fokussierung auf nur fünf Hosting-Provider (Hetzner, OVH, Comcast, Amazon und Google Cloud) nach Knotenzahl reduziert sie weiter auf 5 %.
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Die Tor-Erkenntnis
Seit 2025 routen 64 % der Bitcoin-Knoten ihren Verkehr über Tor, wodurch ihre physischen Standorte nicht beobachtbar sind. Bisher nahm man an, dass versteckte Standorte eine mögliche Verwundbarkeit verschleiern könnten.
Die Studie ergab das Gegenteil. Die Tor-Relay-Infrastruktur ist in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden konzentriert – Ländern mit der höchsten Redundanz bei Unterseekabeln und den robustesten terrestrischen Glasfaserverbindungen. Das von den Forschern entwickelte vierlagige Multiplex-Modell zeigte, dass Tor den kritischen Ausfallpunkt um 0,02 bis 0,10 anhebt, anstatt ihn zu senken.
Die Netzwerkresilienz fiel zwischen 2018 und 2021 um 22 %, als die geografische Konzentration während des ostasiatischen Mining-Booms ihren Höhepunkt erreichte und 2021 ein Tief von 0,72 verzeichnete. Chinas Mining-Verbot erzwang eine Umverteilung; die Schwelle erholte sich bis 2022 auf 0,88, bevor sie sich 2025 bei 0,78 einpendelte.
Warum das wichtig ist
Die Forschung etabliert einen quantitativen Rahmen für zwei kategorisch unterschiedliche Bedrohungsmodelle.
Zufällige Infrastrukturausfälle – durch Schiffsanker, Erdbeben oder Konflikte – stellen in realistischer Größenordnung ein vernachlässigbares Risiko für die operative Kontinuität von Bitcoin dar.
Koordinierte, staatlich gelenkte Angriffe auf bestimmte Hosting-Engpässe sind hingegen ein strukturell anderer Gegner, gegen den die Topologie des Netzwerks deutlich schlechter gewappnet ist.
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