Bitwise-CIO Matt Hougan hält es für wahrscheinlich, dass sich der Kryptomarkt selbst dann weiterentwickelt, wenn der Kongress die Frist in dieser Woche zur Verabschiedung des Clarity Act vor der Senatspause verstreichen lässt.
Zentrale Punkte:
- Hougan rechnet mit weiterem Wachstum der Kryptomärkte und der Onchain-Finanz auch ohne den Clarity Act.
- Die SEC könnte schneller Entlastung bringen, doch eine künftige Regierung könnte diese Regeln wieder kippen.
- Verzögerungen halten Profianleger zurück und verlängern die Phase der Rechtsunsicherheit rund um das Gesetz.
Entscheidende Frist für den Clarity Act
Der Senat hatte nur ein enges Zeitfenster, um das Marktstruktursgesetz voranzubringen: Der Cloture-Antrag musste bis zum 5. August gestellt werden, während die Abgeordneten ab dem 7. August mit der Abreise aus Washington rechneten. Die formale „State Work Period“ der Kammer läuft vom 10. August bis 11. September. Eine Plenumsabstimmung war nicht angesetzt.
In einem Investment-Memo vom 4. August schrieb Hougan, die Branche werde „einen Weg nach vorn finden“, falls der Kongress untätig bleibe. Er bezeichnete den Status des Vorhabens als „walking dead“ – politisch noch nicht beerdigt, aber ohne klare Perspektive. Der Entwurf könnte im Herbst wieder aufgegriffen oder an ein umfassendes Jahresendpaket angehängt werden.*
Auf Polymarket sank die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz bis Jahresende in Kraft tritt, auf 23 % – nach rund 75 % Mitte Mai.
Politische Konflikte bleiben ungelöst: Demokratische Abgeordnete äußern Bedenken zu mutmaßlichen Krypto-Interessenkonflikten von Donald Trump, während Senatoren und Regulierer aus dem Bereich Tribal Gaming Formulierungen fordern, die Sportwetten-nahe Prognosemärkte ausschließen.
Hougans Krypto-Ausblick
Hougan argumentiert, SEC-Chef Paul Atkins könne viele Kernpunkte des Gesetzes bereits über Verordnungen regeln. Atkins hatte erklärt, die Kommission sei „bereit, willens und in der Lage“, vergleichbare Standards selbst zu setzen. Hougan sieht darin einen kurzfristigen Vorteil.
Dieser Weg hat jedoch ein Durchhalteproblem: Eine spätere Regierung könnte einen neuen Vorsitzenden einsetzen, der zentrale Regeln wieder zurückdreht. Gesetzliche Vorgaben würden hingegen für Börsen, Verwahrer und Investoren einen deutlich stabileren Rahmen schaffen.
Hougan verweist auf das wachsende Engagement von BlackRock, Nasdaq, JPMorgan und Visa, das einen vollständigen regulatorischen Rückzug immer unwahrscheinlicher mache. Er schätzt, dass der Branche mindestens zweieinhalb Jahre bleiben, um die Nutzung weiter zu vertiefen, bevor eine neue Regierung die Führung der SEC erneut umkrempeln könnte.
Dennoch drängt er den Kongress, den Entwurf zu verabschieden. Das Gesetz würde aus seiner Sicht den Anlegerschutz stärken, strengere Compliance- und Ethikregeln etablieren und die US-Wettbewerbsfähigkeit in der Onchain-Finanz sichern.
Der Clarity Act geht auf FIT21 zurück, das im Mai 2024 das Repräsentantenhaus passierte, bevor der neuere Vorstoß im Mai 2025 seinen Weg durch den Kongress antrat. Der langwierige Prozess spiegelt den Dauerstreit darüber wider, welche Behörden für digitale Assets zuständig sein sollen und wie Bundesrecht Kryptomärkte klassifizieren muss.
Als Nächstes lesen: Apple nimmt OpenAI-Hardwarepläne ins Visier, nachdem 11 weitere Zeugen zu angeblichem Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen gefunden wurden






