Palantir-Chef Alex Karp sieht in der KI-Branche deutliche marxistische Anklänge. Führende KI-Labore seien dabei, ihren Unternehmenskunden faktisch die Produktionsmittel zu entziehen, sagte er – nur wenige Stunden, nachdem Palantir ein Umsatzwachstum von 93 % vorgelegt hatte.
Die wichtigsten Punkte:
- Karp wirft in seinem Quartalsbrief an die Aktionäre großen Sprachmodell-Anbietern vor, die Produktionsmittel ihrer Partner an sich zu ziehen.
- Der Umsatz im zweiten Quartal kletterte um 93 % auf 1,94 Milliarden US‑Dollar; das US-Kommerzgeschäft legte um 149 % zu, der Nettogewinn erreichte 1,07 Milliarden US‑Dollar.
- Die Jahresprognose wurde auf rund 8,15 Milliarden US‑Dollar angehoben, die Aktie sprang nachbörslich um 13 %.
Karp attackiert KI-Labore als „marxistisch“ im Aktionärsbrief
Karp äußerte seine Kritik im Quartalsbrief an die Aktionäre, den Palantir am Montag zusammen mit Zahlen vorlegte, die sämtliche wesentlichen Wall-Street-Erwartungen übertrafen. Er schrieb, marxistische „Obertöne und Untertöne“ durchzögen das Geschäft. Andere Entwickler großer Sprachmodelle wollten – bewusst oder unbewusst – die Produktionsmittel ihrer vermeintlichen Partner einziehen, so Karp.
Der Vorstandschef, der Philosophie studiert hat und über eine Promotion in Sozialtheorie verfügt, schärfte seine Argumentation im anschließenden Conference Call nach. Unternehmen zahlten heute dafür, ihr geistiges Eigentum, ihr Know-how und ihre Expertise in die Modelle eines Rivalen zu transferieren – und finanzierten damit einen Wettbewerber, der ihre eigenen Mitarbeiter künftig nicht mehr brauche.
Palantir bietet modellunabhängige Software an und lässt Kunden die Hoheit über ihre eigenen Daten, Prompts und Kontexte behalten – ein Ansatz, den der Konzern als „KI-Souveränität“ vermarktet.
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Palantir-Umsatz im Q2 steigt dank KI-Nachfrage um 93 %
Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 1,94 Milliarden US‑Dollar – ein Plus von 93 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum und deutlich über den von Analysten erwarteten 1,81 Milliarden US‑Dollar. Der Nettogewinn legte auf 1,07 Milliarden US‑Dollar beziehungsweise 0,41 US‑Dollar je Aktie zu, nach rund 329 Millionen US‑Dollar im Vorjahresquartal.
Die US-Kommerzumsätze schossen um 149 % auf 764 Millionen US‑Dollar in die Höhe, die Regierungserlöse stiegen um 90 % auf 809 Millionen US‑Dollar. Zusammen ergibt das 1,57 Milliarden US‑Dollar Inlandsumsatz.
Das Management hob seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf etwa 8,15 Milliarden US‑Dollar an – rund 500 Millionen US‑Dollar mehr als die bisherige Spanne – und setzte das Ziel für das US-Kommerzgeschäft auf über 3,42 Milliarden US‑Dollar hinauf. Die Aktie sprang im nachbörslichen Handel um 13 %, Karp rechnet damit, dass das Tempo mindestens weitere 18 Monate anhält. Auf Jahressicht liegt die Aktie dennoch deutlich im Minus.
Warum Karps Warnung für Unternehmenskunden in der KI wichtig ist
Karps Vorstoß trifft auf eine Branche, in der viele Softwareeinkäufer ihre KI-Partner zugleich als Lieferanten und als Wettbewerber erleben. OpenAI und Anthropic dringen in Bereiche wie Design-Tools, juristische Dienstleistungen, Klinikbetrieb und Wirkstoffforschung vor – und buhlen teils um dieselben Kunden, die sie finanzieren.
Microsoft-Chef Satya Nadella hat in den vergangenen Wochen einen ähnlichen Punkt gemacht und vor Partnern gewarnt, die sich stillschweigend in Rivalen verwandeln.
Karp nutzt seine Quartalsbriefe seit drei Jahren, um technokratische Eliten, Kritiker und das aus seiner Sicht ritualisierte öffentliche Beschämen zu attackieren – eine Haltung, die ihm eine treue Anhängerschaft unter Privatanlegern eingebracht hat. Erst vergangenen Monat schloss er sich anderen Tech-Chefs an, die in Washington dafür werben, Open-Weight-KI-Modelle nicht zu beschränken. Echter Wettbewerb sei es, der die Modellhersteller im Zaum halte, argumentiert er.
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