Tether hat am Donnerstag mitgeteilt, dass KPMG U.S. dem Stablecoin-Emittenten erstmals ein uneingeschränktes Testat für die 2025er-Abschlüsse erteilt hat – jene Prüfung, die das Unternehmen bereits 2017 angekündigt hatte. Die geprüften Zahlen weisen Reserven aus, die die Verbindlichkeiten um 6,81 Mrd. US‑Dollar übersteigen.
Wichtigste Punkte:
- KPMG U.S. hat Tether International für das Geschäftsjahr 2025 ein uneingeschränktes Testat erteilt – es handelt sich um die erste vollständige Abschlussprüfung des Emittenten.
- Die geprüften Reserven lagen zum Jahresende 2025 um 6,81 Mrd. Dollar über den Verbindlichkeiten; zum 30. Juni verringerte sich der Puffer auf 4,11 Mrd. Dollar.
- Tether hat die geprüften Abschlüsse bislang nicht veröffentlicht; die Gold- und Bitcoin-Bestände des Tokens fallen weiterhin nicht unter die US‑Regeln für Stablecoins.
KPMG-Prüfung bestätigt Tether-Reserven
Die Prüfung umfasste Tether International, S.A. de C.V., die Gesellschaft hinter Tether USD (USDT), und bezog sich auf das Geschäftsjahr bis zum 31. Dezember 2025. Eine KPMG-Sprecherin hat die Arbeiten separat bestätigt. Tether selbst spricht von der größten erstmaligen Abschlussprüfung in der Geschichte – Ende Juni waren rund 184,6 Mrd. Dollar an Token im Umlauf.
Die Prüfer testeten Transaktionen, IT‑Systeme, Bewertungsansätze, Eigentumsnachweise und Gegenparteibeziehungen über die gesamte Bilanz hinweg – einschließlich Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung sowie Eigenkapitalveränderungsrechnung.
Zudem zählten und inspizierten sie jeden einzelnen Goldbarren im Besitz des Unternehmens und überprüften Identifikationsmerkmale direkt vor Ort, anstatt sich allein auf Unterlagen von Verwahrstellen zu stützen. Vorstandschef Paolo Ardoino schrieb auf X, Kritiker hätten jahrelang behauptet, eine Prüfung in diesem Umfang sei faktisch nicht durchführbar.
Ein uneingeschränktes Testat ist die stärkste Form der Bestätigung, die ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer für einen Abschluss aussprechen kann. Es bescheinigt, dass die Unterlagen in wesentlichen Punkten ordnungsgemäß dargestellt sind – ohne jedoch das Geschäftsmodell zu bewerten oder Einlösungen der Token zu garantieren.
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Transparenzlücken bei USDT bleiben
Tether hat die zugrunde liegenden Finanzberichte bislang nicht offengelegt. Damit bleiben die genaue Zusammensetzung der Reserven, Art und Struktur der Verbindlichkeiten sowie die angewandten Bilanzierungsregeln der Öffentlichkeit verborgen. Hinzu kommt: Die geprüfte Position ist mehr als sieben Monate alt – und der Puffer hat sich seither deutlich verringert.
Ein für das zweite Quartal erstellter Bestätigungsbericht von BDO weist zum 30. Juni nur noch 4,11 Mrd. Dollar an Überschussreserven aus – etwa die Hälfte der 8,23 Mrd. Dollar drei Monate zuvor. Haupttreiber des Rückgangs waren schwächere Preise für Gold und Bitcoin (BTC), obwohl Tether im Quartal einen operativen Nettogewinn von 1,5 Mrd. Dollar erzielte und die Goldbestände auf mehr als 146 Tonnen ausbaute.
Die Zusammensetzung der Reserven sorgt zudem dafür, dass der Token nicht mit US‑Regelwerk für Zahlungstablecoins konform ist. Der GENIUS Act, den Präsident Donald Trump im Juli 2025 unterzeichnete, beschränkt die Reserveanlagen für Zahlungs‑Stablecoins auf US‑Dollar, kurzfristige Staatsanleihen und vergleichbare hochliquide Mittel.
Gold und Bitcoin zählen nicht dazu. Stablecoins, die diese Vorgaben verfehlen, verlieren ab dem 18. Juli 2028 die Zulassung für ein Listing an US‑Börsen.
Tether-Prüfung nach Jahren intensiver Kontrolle
Tether hatte bereits 2017 eine Abschlussprüfung in Aussicht gestellt, als das Unternehmen Friedman LLP mandatierte. Diese Zusammenarbeit endete jedoch ohne fertigen Prüfungsbericht; stattdessen mussten Investoren sich über Jahre mit vierteljährlichen Reserve-Snapshots zufriedengeben. 2021 zahlte das Unternehmen im Rahmen eines Vergleichs mit der Generalstaatsanwaltschaft von New York 18,5 Mio. Dollar, um Streitigkeiten über die tatsächliche Unterlegung des Tokens beizulegen, und akzeptierte zusätzlich ein Bußgeld der CFTC über 41 Mio. Dollar wegen irreführender Aussagen zur vollständigen Dollar-Deckung.
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