Die Kryptomärkte treten in eine Phase ein, die Analysten als makroökonomische „Verdauungsphase“ bezeichnen. Dabei bleiben die Kurse stabil, obwohl es weiterhin zu Abflüssen und Leverage-Resets kommt, da sich Anleger zunehmend an globalen Wirtschaftssignalen statt an kryptospezifischen Auslösern orientieren.
Bitcoin konsolidiert über 91.000 US‑Dollar, Ethereum stabilisiert sich bei etwa 3.130 US‑Dollar und die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarktes hält sich nahe 3,02 Billionen US‑Dollar.
Laut einem Bericht von Bitfinex ist diese Kursresistenz das Ergebnis eines deutlichen Resets spekulativer Positionierungen: Leverage wurde aus den Derivatemärkten gespült, und die Volatilität ist auf historisch niedrige Niveaus zusammengeschrumpft.
Die Bitfinex-Analysten erklärten, dass die implizite Volatilität über die wichtigsten Krypto-Assets hinweg nach dem jüngsten Rückgang stark gefallen ist. Dadurch sei eine „aufgewickelte“ Marktstruktur entstanden – ein Zustand, der historisch eher einer Ausweitung der Volatilität als einer Fortsetzung des bisherigen Trends vorausging.
ETF-Abflüsse werden absorbiert, während sich Leverage zurückbildet
Bitfinex stellte fest, dass die Fähigkeit von Bitcoin, zentrale Kurszonen trotz ETF-Abflüssen zu halten, darauf hindeutet, dass Verkaufsdruck von langfristig orientierten Marktteilnehmern absorbiert wird.
Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten Nettoabflüsse von rund 249 Millionen US‑Dollar, dennoch blieb die Kursentwicklung geordnet. Das stützt die Sichtweise, dass passiver Verkauf nicht mehr zu erzwungenen Liquidationen führt.
In einer Mitteilung an Yellow.com sagte Iliya Kalchev, Analyst bei Nexo Dispatch, dieses Verhalten spiegele eine Abkehr von momentumgetriebenen Strömen wider.
„Wenn ETF-Verkäufe zentrale Unterstützungszonen nicht durchbrechen, signalisiert das oft einen Übergang hin zu längerfristiger Positionierung“, so Kalchev. Bitcoin verhalte sich zunehmend wie ein makrosensitiver Wertspeicher.
Angebotsüberhang nach oben begrenzt das Potenzial
Während der Abwärtsdruck begrenzt scheint, hob Bitfinex hervor, dass der Aufwärtsmomentum durch Angebotsüberhänge aus früheren Zyklen gedeckelt wird.
Analysten verweisen auf eine hohe Konzentration von Coins, die zu höheren Kursen gekauft wurden. Diese Bestände begrenzen weiterhin Rallyes und tragen zu einer seitwärts gerichteten Handelsspanne bei.
Dieser strukturelle Angebotsüberhang erklärt, warum es dem Kryptomarkt schwerfällt, Kursgewinne auszubauen, obwohl die Volatilität gedämpft ist und erzwungene Verkäufe weitgehend abgeklungen sind.
Selektive Rotation statt breitem Risikoabbau
Bei den Large-Cap-Altcoins beobachtete Bitfinex Anzeichen selektiver Rotation statt eines breiten Risikoabbaus.
Solana übertraf andere große Coins bei den jüngsten Erholungsbewegungen und spiegelt eine Präferenz für liquide, hochbetalastige Exponierung wider, während kleinere Token zurückblieben.
Ethereum-ETFs verzeichneten Abflüsse von rund 93 Millionen US‑Dollar, was institutionelle Anleger weiterhin vorsichtig agieren lässt.
Mit XRP verknüpfte ETFs verbuchten moderate Abflüsse, was eher auf taktische Neupositionierung als auf einen strukturellen Ausstieg aus der Anlageklasse hindeutet.
Analysten sehen in diesem Muster einen Hinweis auf Rotation innerhalb des Risikos, nicht auf breit angelegtes De-Risking.
Makrodaten entscheiden über das nächste Regime
Die Analysten verweisen auf den anstehenden Makrokalender als entscheidenden Katalysator. Anleiheauktionen des US-Finanzministeriums, US‑Verbraucher- und Erzeugerpreise, Einzelhandelsumsätze und Wachstumsdaten werden die Erwartungen in Bezug auf Inflation und Zinspfad auf die Probe stellen.
Sie erklärten, dass der Kryptomarkt voraussichtlich in einer Handelsspanne bleiben wird, bis sich die makroökonomische Klarheit verbessert. Volatilität dürfte sich eher um Datener Veröffentlichungen bündeln als in ausgeprägten Trendbewegungen äußern.

