Ethereum (ETH) hat am 6. Oktober seine nächste große Protokollüberholung geprobt – weitgehend unbeachtet außerhalb der Entwicklerkreise. Auf dem Sepolia-Testnetz gelten nun Regeln, die festlegen, wer Blöcke baut, wie Gas bepreist wird und wie viel Arbeit ein Block tatsächlich tragen kann.
Diese Analyse ordnet die 18 Kernänderungen von Glamsterdam ein – allen voran die im Protokoll verankerte Trennung von Block-Vorschlag und Block-Bau (ePBS), Block-Access-Listen und neue Gas-Preise – und beleuchtet, was das für Gebühren, MEV, Rollups und den geplanten Sprung auf ein Gaslimit von 200 Millionen bedeutet.
- Glamsterdam ist seit dem 6. Oktober 2026 auf Ethereums Sepolia-Testnetz aktiv, für das Hoodi-Testnetz ist der 26. Oktober angesetzt. Ein Termin fürs Mainnet ist offen, ein Entwurf nennt Termine Anfang Dezember.
- Das Upgrade verlagert die Übergabe zwischen Proposer und Builder ins Protokoll, führt blockweite Access Lists für parallele Verarbeitung ein und bepreist State-Erzeugung und -Lesezugriffe neu.
- Entwickler haben sich nach Glamsterdam auf eine Untergrenze von 200 Millionen Gas für das Blocklimit verständigt – mehr als das Dreifache des heutigen Defaults von 60 Millionen. Die Wirkung auf Gebühren hängt jedoch von Nachfrage und Validatoren ab.
Was ist Ethereums Glamsterdam-Upgrade – und warum ist es wichtig?
Glamsterdam folgt auf das Fusaka-Upgrade, der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die Execution-Layer-Seite heißt Amsterdam, angelehnt an die Devconnect-Gastgeberstadt 2022, die Konsens-Seite trägt den Namen Gloas – nach einem Stern.
Die Ethereum Foundation hat ihre Testnet-Ankündigung am 28. September veröffentlicht. Für Sepolia war die Aktivierung auf Epoche 353.024, Slot 11.296.768, um 13:53:36 UTC am 6. Oktober geplant.
Der Fork ging planmäßig live.
Die unabhängige Ethereum-Forscherin Christine D. Kim berichtete am 9. Oktober, das Sepolia-Upgrade sei „reibungslos“ verlaufen. Danach legten Entwickler Glamsterdam für Hoodi, das zweite und letzte öffentliche Testnetz, auf Montag, den 26. Oktober, fest; Client-Releases sollen bis 16. Oktober erscheinen.
Der Umfang ist in einem Tracking-Vorschlag, EIP-7773, gebündelt. Er listet 18 Kernänderungen, flankiert von fünf Networking-EIPs und zwei informativen Vorschlägen.
Für das Mainnet ist die Lage offener. Die Foundation betonte, Hoodi- und Mainnet-Termine seien „noch nicht entschieden“, ethereum.org führt weiterhin lediglich ein Zielzeitfenster viertes Quartal 2026.
Ein Entwurf auf GitHub nennt den 1., 8. und 9. Dezember als mögliche Mainnet-Slots, eine Einigung der Entwickler gibt es bislang auf keinen dieser Termine.
Warum ist das relevant? Ethereum hat jahrelang den Großteil der Skalierungsarbeit an Rollups ausgelagert und Layer 1 bewusst konservativ gehalten. Glamsterdam markiert nun eine sichtbare Schwerpunktverschiebung.
Die Foundation positioniert das Upgrade als nächsten Schritt ihres Plans, die Basisschicht selbst zu skalieren. Die zentralen Neuerungen zielen darauf, die Hauptkette sicher deutlich mehr Aktivität verarbeiten zu lassen – und Gas näher an den tatsächlichen Kosten von Ausführung und State-Wachstum zu bepreisen.
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Wie unterscheidet sich Glamsterdam von Pectra und Fusaka?
Die letzten beiden Upgrades konzentrierten sich weitgehend auf Staking und Daten. Glamsterdam dreht an der Execution – also an dem Teil des Systems, der Transaktionen tatsächlich ausführt.
Pectra ging am 7. Mai 2025 in Epoche 364.032 live. Über EIP-7702 konnten Standard-Wallets ihre Rechte an Smart-Contract-Code delegieren, das maximale Validator-Guthaben stieg von 32 auf 2.048 Ether, und das Blob-Ziel wurde auf sechs (bei maximal neun) angehoben.
Fusaka wurde am 3. Dezember 2025 um 21:49:11 UTC aktiviert. Die zentrale Neuerung war PeerDAS (EIP-7594), ein Verfahren, bei dem Nodes Blob-Daten per Sampling kleiner Datenstücke verifizieren, statt alles herunterzuladen.
Fusaka führte zudem Blob-only-Forks ein – kleine Konfigurationsupdates, die ausschließlich die Blob-Kapazität anpassen, ohne weitere Features zu bündeln. Zwei solcher Forks folgten am 9. Dezember 2025 und am 7. Januar 2026.
Im Januar-Update „Checkpoint“ hielt die Foundation fest, dass Ethereum nun 14 Blobs pro Block anpeilt, mit einem Maximum von 21. Das entspreche einer 2,3-fachen Ausweitung des Datenraums für Layer-2-Lösungen gegenüber der Zeit vor Fusaka.
Auf der Execution-Seite begrenzte Fusaka einzelne Transaktionen auf rund 16,8 Millionen Gas und setzte in den Clients ein Standard-Gaslimit von 60 Millionen pro Block.
Glamsterdam setzt an anderer Stelle an. Statt vor allem mehr Platz für Rollup-Daten zu schaffen, definiert es neu, wie Blöcke produziert, validiert und bepreist werden – mit dem Ziel, das Limit von 60 Millionen deutlich nach oben zu ziehen.
Pectra und Fusaka haben die Datenleitungen für Layer 2 verbreitert, Glamsterdam schraubt am Maschinenraum von Layer 1.
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Was ist „Enshrined Proposer-Builder Separation“ (ePBS)?
Heute werden die meisten Ethereum-Blöcke nicht von den Validatoren gebaut, die sie vorschlagen. Spezialisierte Builder konkurrieren darum, den profitabelsten Block zu konstruieren; ein Validator mit MEV-Boost-Software von Flashbots nimmt das höchste Gebot an.
Die Übergabe läuft über Relays, eine Art vertrauenswürdige Zwischeninstanz. Ein Relay hält den Block des Builders zurück, zeigt dem Proposer nur Header und Gebot und gibt den vollen Block erst frei, wenn der Proposer signiert hat.
Dieses System funktioniert, liegt aber komplett außerhalb des Protokolls. Fällt ein Relay aus, verhält es sich unfair oder zensiert, bieten Ethereums Konsensregeln keinen unmittelbaren Schutz.
EIP-7732 zieht diesen Austausch ins Protokoll. Builder werden zu regulären Protokollteilnehmern, Validatoren erhalten eine neue Aufgabe: sogenannte Payload-Timeliness-Attestierungen.
Im neuen Ablauf bindet der Proposer eine vom Builder signierte Zusage für eine Execution-Payload in den Beacon-Block ein; der Builder legt die Payload anschließend offen. Die Bezahlung des Proposers läuft über das Protokoll selbst – die Abhängigkeit von vertrauenswürdiger Middleware sinkt.
Ein Teil der Validatoren bildet das Payload-Timeliness-Komitee. Diese Validatoren attestieren, ob der Builder seine Payload rechtzeitig offengelegt hat und ob die dazugehörigen Blob-Daten verfügbar waren.
Die Änderung trennt zudem die Konsensvalidierung von der Execution- Validierung – und genau hier setzt das Skalierungspotenzial an.
Laut Roadmap auf ethereum.org erweitert diese Trennung das Zeitfenster, in dem sich Daten im Netzwerk verbreiten können, von bisher rund zwei auf etwa neun Sekunden. Mehr Zeit bedeutet, dass Validatoren deutlich größere Payloads noch sicher verarbeiten können.
Relays verschwinden damit nicht über Nacht. Laut Roadmap könnten Builder und Proposer weiterhin Off-Chain-Relays oder Middleware nutzen, um erweiterte Funktionen abzubilden, die das Kernprotokoll noch nicht bietet.
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Wie könnte Glamsterdam MEV und die Ökonomie der Ethereum-Validatoren verändern?
„Maximum Extractable Value“ (MEV) bezeichnet die Zusatzgewinne, die sich aus der Reihenfolge, Einbeziehung oder dem Ausschluss von Transaktionen ergeben. Über MEV-Boost landet viel davon als Gebote der Builder bei den Validatoren, der dahinterliegende Markt ist jedoch stark konzentriert.
Das Relayscan-Dashboard von Flashbots zeigte etwa, dass Titan in den 24 Stunden bis zum frühen 12. Oktober 52,6 % der MEV-Boost-Blöcke baute. Quasar kam auf 18,5 %, BuilderNet auf 13,3 % – drei Builder vereinten damit rund 84 % des Flows auf sich.
ePBS schafft MEV nicht ab und löst die Konzentration bei den Buildern nicht automatisch. Es verändert jedoch das Vertrauensmodell: Die Auszahlung an den Proposer hängt nicht länger davon ab, dass ein Relay sein Versprechen hält.
Für Staker zeigt sich der Vorteil am Rand: Ein Solo-Validator erhält einen durch das Protokoll abgesicherten Weg, Blockspace zu verkaufen; Builder wiederum müssen eigene Einlagen stellen, um teilnehmen zu können.
Hinzu kommen schnellere Exits. Mit EIP-8061 skaliert die Exit-Kapazität mit der gesamten Menge an gestaktem Ether. Laut ethereum.org vervierfacht das ungefähr die aktuelle Exit-Rate und verdoppelt den Spielraum für Validator-Konsolidierungen.
Der Preis dafür ist ein kürzeres Sicherheitsfenster für Nodes, die offline gehen. Die sogenannte „Weak Subjectivity“-Periode – also der Zeitraum, nach dessen Ablauf ein zurückkehrender Node einen aktuellen vertrauenswürdigen Checkpoint braucht – sinkt laut ethereum.org von etwa 15,7 auf rund sieben Tage.
Entwickler diskutierten beim Soldøgn-Interop auf Spitzbergen, einem Frühjahrstreffen von etwas mehr als 100 Kernentwicklern, zwei weiterhin strittige ePBS-Punkte. Einer davon: Wie schützt man ein Design, bei dem Builder nur 1 ETH hinterlegen müssen, vor Sybil-Angriffen auf das Peer-to-Peer-Netzwerk?
Diese Sorge flammte vor Sepolia erneut auf. Auf einem Konsens-Call am 17. September warnte Prysm-Entwickler Potuz davor, dass kostenloses Test-Ether Angreifern ermögliche, Auktionen mit Wegwerf- Buildern zu gewinnen und Payloads dann zurückzuhalten: „Ich kann einfach tausend Builder hochziehen.“
Erste Sepolia-Daten deuten auf einen dünnen Markt hin. Eine Community- Zusammenfassung des Execution-Layer-Calls vom 8. Oktober zitierte EthPandaOps mit der Einschätzung, dass dort nur vier bis fünf Builder aktiv gewesen seien, große Akteure fehlten und viele Blöcke weiterhin lokal gebaut würden.
ePBS wird seinen Wert erst unter Beweis stellen, wenn im Wettbewerb stehende Builder tatsächlich um Blöcke konkurrieren – weshalb Hoodi als deutlich aussagekräftigerer Test gilt.
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Was sind Block-Level Access Lists – und wie verbessern sie die Verarbeitung von Transaktionen?
Ethereum-Clients verarbeiten Transaktionen in einem Block heute weitgehend sequentiell. Vorab ist nicht bekannt, welche Accounts oder Storage-Slots eine Transaktion berührt – parallele Ausführung birgt daher das Risiko von Konflikten.
EIP-7928 führt Block-Level Access Lists (BALs) ein. Sie erfassen für jeden Block sämtliche Accounts und Storage-Slots, die berührt werden, einschließlich der State-Änderungen, die jede Transaktion verursacht. Die Listen werden von den Buildern erzeugt, und der Block-Header … Mit dieser „Karte“ in der Hand können Clients mehrere Aufgaben parallel erledigen:
- Sie laden den benötigten Status gleichzeitig von der Festplatte, statt ihn schrittweise zu entdecken.
- Sie validieren Transaktionen ohne Überschneidungen auf separaten CPU-Kernen.
- Sie berechnen die State-Root nach dem Block effizienter.
- Sie aktualisieren den Status anhand der aufgezeichneten Ergebnisse, ohne jede Transaktion erneut abzuspielen – das beschleunigt die Synchronisation.
Eine begleitende Netzwerkänderung, EIP-8159, ermöglicht es Knoten, diese Listen untereinander auszutauschen. Ein weiterer Vorschlag, EIP-8189, nutzt BAL-Daten, um den Zustand während des Snap Sync zu reparieren.
Beim Soldøgn-Treffen haben die Client-Teams jede BAL-Optimierung hinter einem eigenen Feature-Flag gebenchmarkt. Ziel war es, jeweils die langsamsten Pfade eines Clients zuerst zu beschleunigen – denn wenn die schwächste Implementierung schneller wird, steigt die sichere Gasgrenze für alle.
BALs und ePBS greifen ineinander. ePBS verschafft der Ausführung mehr Zeit pro Slot, und BALs sorgen dafür, dass Clients diese zusätzliche Zeit deutlich effizienter nutzen.
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Wie verändert Glamsterdam Ethereums Gas-Logik und Ausführungskosten?
Die Gaspreise für Zustandsoperationen wurden zuletzt mit dem Berlin-Upgrade 2021 grundlegend überarbeitet. Seither ist der Ethereum-State massiv gewachsen – und die jüngsten Erhöhungen des Gaslimits haben dieses Wachstum weiter beschleunigt.
Ein Grundlagenbeitrag für Smart-Contract-Entwickler erklärte am 24. August, dass der neue Gebührenplan „in etwa eine Verdreifachung des Basisdurchsatzes“ erlaubt. Die Neubepreisung dieser Operationen sei Voraussetzung dafür, das Gaslimit überhaupt weiter anzuheben.
Den Großteil der Arbeit leisten zwei EIPs. EIP-8037 erhöht und separiert die Kosten für das Anlegen neuen States, während EIP-8038 die Kosten für Lese- und Schreibzugriffe – etwa über SLOAD, SSTORE und „cold account access“ – anhebt.
EIP-8037 legt einen Fixpreis von 1.530 Gas pro neuem Byte State fest. Die Zahl leitet sich aus einem Ziel von 120 GiB State-Wachstum pro Jahr bei einem Referenz-Gaslimit von 150 Millionen ab.
Unter diesem Satz kostet ein neuer Storage-Slot 97.920 Einheiten State-Gas statt heute 20.000, und ein neues Konto 183.600 statt 25.000. Die Bereitstellung eines maximal großen 24-KiB-Vertrags wird so rund achtmal teurer.
Gleichzeitig erhält State-Gas einen eigenen Zähler. Das in Fusaka eingeführte Transaktionslimit bezieht sich künftig nur noch auf „Execution Gas“, und ein Block gilt als voll, sobald eine der beiden Dimensionen – Ausführung oder State – ihr jeweiliges Limit erreicht.
Der Rest des Gas-Pakets ist kleinteiliger, summiert sich aber:
- EIP-7778 sorgt dafür, dass Gas-Rückerstattungen nicht mehr gegen das Block-Gaslimit gerechnet werden – Nutzer erhalten ihre Refunds aber weiterhin.
- EIP-7976 erhöht den Calldata-Mindestpreis auf 64 Gas pro Byte für datenintensive Transaktionen.
- EIP-7981 bepreist Access-List-Daten ebenfalls mit 64 Gas pro Byte.
- EIP-2780 baut die intrinsischen Transaktionskosten stärker entlang des tatsächlichen Ressourcenverbrauchs um und setzt einen Basispreis von 12.000 Gas.
- EIP-7954 erhöht die maximale Vertragsgröße von 24 KiB auf 64 KiB.
Der aktuelle EIP-2780-Entwurf belässt eine einfache Ether-Überweisung an ein bestehendes Konto bei 21.000 Gas, während eine Überweisung, die ein neues Konto anlegt, zusätzlich 183.600 Einheiten State-Gas auslöst. Die Glamsterdam-Seite auf Ethereum.org, zuletzt am 6. August aktualisiert, beschreibt Überweisungen hingegen noch als bis zu 71 % günstiger.
Die Parameter sind also noch im Fluss. Mehrere Vorschläge, darunter EIP-2780 und EIP-8037, befinden sich bis zum 1. November in der „Last Call“-Phase, und Ethereum.org weist darauf hin, dass sich der Umfang bis zum Mainnet-Start noch ändern kann.
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Steigert das Upgrade den Durchsatz auf Layer 1 – und drückt es die Gebühren?
Der erhoffte Hebel ist der Durchsatz. Beim Soldøgn-Workshop einigten sich die Entwickler auf ein „glaubwürdiges Gaslimit-Fundament von 200 Millionen nach Glamsterdam“ – etwa das 3,3-Fache des heutigen Standardwerts von 60 Millionen.
Diese Zahl ruht auf drei Säulen: ePBS verschafft der Ausführung mehr Zeit, BAL-Optimierungen schaffen Luft bei den Clients, und EIP-8037 soll verhindern, dass ein höheres Gaslimit das State-Wachstum aus dem Ruder laufen lässt.
Auf Sepolia ist das Limit von 200 Millionen bereits aktiv – gesteuert über die Fork-Epoche nach EIP-8261, das das Gaslimit zu einem fork-gesteuerten Parameter macht.
Die Client-Konfigurationen für Hoodi sehen denselben Wert von 200 Millionen vor. Calls deuten darauf hin, dass auch das Mainnet dem Fork-Epochen-Modell folgen soll, doch ein konkreter Wert oder Termin für das Hauptnetz ist noch nicht offiziell beschlossen.
Sinken die Gebühren? Ethereum.org schreibt, Glamsterdam werde „sehr wahrscheinlich die Gebühren für Alltagsnutzer senken“. Mehr Blockspace bei gleichbleibender Nachfrage sollte die Preise drücken – wie stark, hängt aber davon ab, wie viel zusätzliche Aktivität den neuen Raum füllt.
State-intensive Aktionen wie das Anlegen neuer Konten oder Speicherplätze werden in Gas deutlich teurer. Das Upgrade verschiebt also Kosten innerhalb des Systems mindestens genauso stark, wie es sie insgesamt reduziert.
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Was müssen Wallets, Smart Contracts, Infrastruktur-Anbieter und Validatoren vorbereiten?
Für normale Ether-Halter lautet die Antwort: nichts. Die Stiftung betont, dass Mainnet-Nutzer nicht tätig werden müssen, und Ethereum.org warnt, jeder, der zu einem „Upgrade“ von ETH aufruft, betreibe einen Scam.
Alle anderen haben Hausaufgaben – und die Neubepreisung steht oben auf der Liste. Beim erneuten Abspielen historischer Mainnet-Transaktionen fiel eine kleine Gruppe von Verträgen auf, die brechen oder schlechter laufen könnten, typischerweise weil sie auf hart kodierten Gasannahmen beruhen.
Nach Angaben der Stiftung löst eine einfache Erhöhung der Gaslimits den Großteil der gemeldeten Probleme; die überwältigende Mehrheit der Smart Contracts bleibt unberührt.
Die aus den Leitfäden der Stiftung und den Client-Teams abgeleitete Checkliste sieht so aus:
- Smart-Contract-Entwickler sollten Adressen über das „affected-contracts“-Tool der Stiftung prüfen und Fixes auf dem Platåberget-Testnetz testen – mit Blick auf Soliditys festes 2.300-Gas-Stipendium, hart verdrahtete Gaswerte und Logik, die vom verbleibenden Gas abhängt.
- Wallets, RPC-Anbieter und Node-Tooling-Teams müssen ihre Gas-Schätzungen aktualisieren. Veraltete, gecachte Gas-Konstanten würden die Kosten unterschätzen und Transaktionen scheitern lassen.
- Börsen, Bridges und Indexer können die neuen Logs aus EIP-7708 nutzen, das bei jeder nicht-null Ether-Überweisung und jedem Burn ein standardisiertes Event ausgibt.
- Node-Betreiber müssen vor jeder Aktivierung sowohl Execution- als auch Consensus-Client aktualisieren; Validatoren zusätzlich Beacon-Node und Validator-Client.
- Staking-Anbieter und Builder-Teams sollten vor jeder Fork die neuen ePBS-Pflichten und -Schnittstellen prüfen, inklusive des „Payload Timeliness Committee“.
Für Sepolia einsatzbereite Execution-Clients waren Geth 1.17.7, Nethermind 2.1.0, Besu 26.9.0, Erigon 3.7.1, Reth 2.7.0 und Ethrex 29.0.1 gelistet. Auf Konsensseite zählten Lighthouse 8.3.0-rc.0, Prysm 7.2.1, Teku 26.9.1, Lodestar 1.49.0, Nimbus 26.10.0 und Grandine 3.0.0-rc.0 dazu.
Wie sensibel Details sind, zeigen die Gaslimit-Defaults. Prysm 7.2.0 und Tekus Sepolia-Release beließen Validatoren nach der Fork zunächst bei 60 Millionen, sofern Betreiber den Wert nicht selbst auf 200 Millionen setzten.
Prysm hat am 2. Oktober einen Fix gemerged, damit Validatoren ohne explizite Konfiguration automatisch dem 200-Millionen-Plan für Sepolia folgen; die Stiftung listet nun Prysm 7.2.1. Teku-Validatoren, die 200 Millionen wollen, müssen den Wert weiterhin per Konfigurationsflag setzen.
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Wie verändert Glamsterdam das Zusammenspiel von Ethereum Layer 1 und Layer 2?
Glamsterdam verabschiedet sich nicht von Rollups. Die offizielle Roadmap verortet das Upgrade klar in den Zielen „Scale L1“ und „Scale Blobs“.
Der Zusammenhang ist technisch: Weil ePBS das Propagationsfenster verbreitert, kann Ethereum.org zufolge deutlich mehr Daten sicher transportiert werden – inklusive zusätzlicher Blobs für Rollups –, ohne das Netzwerk zu überlasten.
Glamsterdam selbst legt keine neuen Blob-Werte fest. Seit Fusaka werden Blob-Kapazitäten über eigene „Blob-Parameter-only“-Forks angepasst, sodass sich der Datenraum für Rollups unabhängig davon weiterentwickeln kann.
Entwickler sehen hier aktuell keinen Zeitdruck. Der „January Checkpoint“ hielt fest, dass eine dritte solche Fork kein vorrangiges Thema ist, solange die Blob-Nutzung nicht zu den bisherigen Erhöhungen aufgeschlossen hat.
Zwei kleinere Funktionen zielen direkt auf Layer 2. EIP-7997 platziert einen deterministischen Factory-Contract unter derselben Adresse auf jeder teilnehmenden EVM-Chain. Entwickler können damit Wallets und Anwendungen kettenübergreifend unter identischen Adressen bereitstellen.
Zweitens führt EIP-8070 einen „Sparse Blobpool“ ein – eine Netzwerkänderung, die regelt, wie Knoten Blob-Transaktionen behandeln.
Die strategische Spannung bleibt: Ein günstigerer, schnellerer Layer 1 macht Deployments direkt auf dem Mainnet attraktiver – und tritt damit in Konkurrenz zu den Rollups, die dort final abgerechnet werden.
Ethereum kontert bislang mit einem Doppelansatz: Beide Ebenen sollen parallel skaliert werden. Die Roadmap betrachtet Execution-Kapazität und Blob-Kapazität als gleichrangige Ziele – und Glamsterdam spiegelt diesen Dualismus, statt eine Seite zugunsten der anderen zu priorisieren.
Für Rollup-Nutzer bedeutet das Upgrade praktisch vor allem: eine robustere, stärker vertrauensminimierte Settlement-Schicht darunter.
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Was folgt nach Glamsterdam auf Ethereums Skalierungsfahrplan?
Der nächste Fork heißt Hegotá. Wie Glamsterdam kombiniert der Name eine Stadt der Execution-Schicht, Bogotá, mit einem Stern der Konsens-Schicht, Heze.
Die Hauptakteure stehen bereits fest. Der Protokoll-Cluster der Stiftung nannte EIP-7805, „Fork-Choice Enforced Inclusion Lists“ (FOCIL), für die Konsensschicht und EIP-8141, „Frame Transactions“, für die Ausführungsschicht.
FOCIL war ursprünglich als Glamsterdam-Kandidat im Gespräch. Entwickler verschoben den Vorschlag jedoch in die nächste Runde, um den Umfang der aktuellen Fork zu begrenzen.Januar-Checkpoint der Foundation
FOCIL ermöglicht es mehreren Validatoren, Builder zur Aufnahme gültiger Transaktionen zu zwingen – und adressiert damit direkt das Zensurrisiko, das aus der zunehmenden Konzentration im Builder-Markt entsteht. Frame-Transaktionen machen Validierung und Gaszahlung programmierbar und eröffnen Konten einen nativen Ausweg aus der Abhängigkeit von heutigen secp256k1-Schlüsseln.
Die begleitende Tier-Liste des Clusters hat 62 vorgeschlagene EIPs eingestuft und dabei 397 Einzelbewertungen aus einem Kreis von rund 60 Beteiligten ausgewertet. Zwei Vorschläge wurden als „must-ship“ eingeordnet, 15 als „voraussichtlich im Fork enthalten“ und 28 als abgelehnt.
Der Zeitplan ist ehrgeizig. Nach Einschätzung des Clusters könnten die Client-Teams realistisch Ende Q4 2026 mit der Implementierung von Hegotá beginnen. In den Planungen wird zudem davon ausgegangen, dass Glamsterdam im Dezember live geht – eine Arbeitsannahme, kein offizieller Termin.
Über Hegotá hinaus strukturiert der Cluster seine Forschungsarbeit entlang von fünf mehrstufigen Entwicklungssträngen über mehrere Forks hinweg:
- Fast Finality: Ziel ist es, die Finalitätszeit von Minuten auf Sekunden zu senken; „decoupled consensus“ gilt als Topkandidat für den Fork nach Hegotá.
- Post-Quanten-Sicherheit: Ausgerichtet auf ein quantenresistentes Layer 1 – über Execution, Konsens und Datenebene hinweg – bis Dezember 2029.
- Privacy: Beginnend mit Hegotá durch Protokollunterstützung für vertrauenslose, zensurresistente Private Transactions direkt auf Layer 1.
- State: Umfasst eine neue Trie-Struktur, tragfähiges State-Wachstum und dezentralen Zugriff auf aktuelle und historische Zustände.
- zkEVM: Execution-Proofs sollen von optional zu verpflichtend werden, sodass Validatoren perspektivisch nur noch Beweise verifizieren, statt jeden Block erneut auszuführen.
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Fazit: Was Glamsterdam für Ethereum bedeutet
Glamsterdam ist weniger ein einzelnes Feature als eine Neuordnung der Ethereum-Basis. Der Fork holt den Builder-Markt ins Protokoll, gibt Client-Teams einen klaren Fahrplan für parallele Entwicklung und schafft eine ehrlichere Bepreisung für dauerhaft gespeicherten State.
Der Start auf Sepolia verlief reibungslos, doch die härteren Belastungsproben stehen noch bevor. Potuz weist darauf hin, dass Hoodi sowohl Staking-Pools als auch Home Staker beherbergt – und damit ein deutlich anspruchsvollerer Fork ist als Sepolia.
Ein Vorschlag der Core-Entwickler setzt den Hoodi-Fork auf Epoche 132.352, also 17:42:48 UTC am 26. Oktober. Ein Mainnet-Termin ist noch nicht vereinbart; die Foundation hat angekündigt, diesen in einer separaten Mitteilung bekanntzugeben.
Die offenen Fragen sind ökonomischer ebenso wie technischer Natur. Ob sich genügend leistungsfähige Builder beteiligen, ob Validatoren das höhere Gas-Limit mittragen und ob die zusätzliche Kapazität tatsächlich nachgefragt wird, entscheidet darüber, was Glamsterdam am Ende real bewirkt.
Gelingt der Übergang, kann Ethereum seine Basisschicht nach eigenen Maßstäben skalieren – mit Rollups als Aufbau- statt als alleinige Trägerschicht.
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