Michael Saylor hat Bitcoin-(BTC)-Investoren in einer neunteiligen Beitragsserie erklärt, dass die größte Bedrohung für das Netzwerk von innen kommt – während der BIP-110-Soft-Fork bei lediglich 2,64 % Miner-Unterstützung feststeckt.
Kernaussagen:
- Saylor vergleicht Bitcoins Konsensregeln mit einer Verfassung und warnt, jede Neuschreibung im Interesse einer Fraktion sei ein Angriff auf die ökonomischen Rechte aller Halter.
- Er stellt BIP-110, Covenant-Vorschläge und Forderungen nach größeren Blöcken in eine Reihe – als unterschiedliche Werkzeuge für denselben „Verfassungsbruch“.
- Der umstrittene Soft Fork tritt voraussichtlich um den 9. August in seine verpflichtende Signalisierungsphase ein – mit deutlich zu wenig Rückhalt für eine Aktivierung.
Saylor stellt Bitcoins Konsensregeln als „Verfassung“ dar
In einem Beitrag auf X vom 28. Juli bezeichnete Saylor Bitcoins Konsensregeln als Verfassung des Netzwerks.
Diese Regeln definieren Eigentumsrechte, Knappheit, Abwicklung sowie die Grenzen dessen, was einzelne Teilnehmer ohne den Konsens aller anderen verändern dürfen. Wer sie zugunsten einer bestimmten Gruppe umschreibt, so Saylor in einem weiteren Post, greife die ökonomischen Rechte jedes heutigen Bitcoin-Halters und aller künftigen Generationen an.
Der Executive Chairman von Strategy nahm drei Ziele ins Visier: BIP-110, Covenant-Konzepte und Forderungen nach größeren Blöcken. Für ihn sind sie allesamt Instrumente für denselben verfassungsähnlichen Tabubruch. BIP-110 würde für eine Übergangszeit willkürliche, nicht-monetäre Daten wie Ordinals-Inschriften beschneiden. Laut Saylor führt das faktisch zu Zensur gültiger, gebührenzahlender Transaktionen, ohne einen nachgewiesenen Fehler im Protokoll zu beheben.
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Warum Miner und Börsen in Saylors Argument zentral sind
Saylor verknüpft seine Kritik mit der Ökonomie des Minings. Miner binden Kapital, um das Netzwerk zu sichern; ihre Blocksubvention halbiert sich alle 210.000 Blöcke. Entsprechend müssen Transaktionsgebühren langfristig einen immer größeren Teil der Einnahmen tragen. Wer den Gebührenmarkt schwächt, schneidet Bitcoins Verteidigern die Finanzierungsbasis ab – genau in der Phase, in der das Netzwerk sie am dringendsten braucht, warnt er. Das sei Abrüstung, nicht Schutz.
Die Schäden gingen über die Miner hinaus, schreibt Saylor, und träfen Börsen, Verwahrer, Anwendungen, Investoren und Kleinanleger gleichermaßen. Sobald eine Fraktion den Konsens gekapert habe, drohe ein Dauerzustand von „Protokoll-Kriegsführung“: Kapital fliehe, und das Netzwerk bleibe nur noch ein Schatten dessen, was es hätte werden können.
Seine Warnung wiegt umso schwerer, da sein Unternehmen selbst 843.775 BTC zu einem durchschnittlichen Einstandskurs von rund 75.476 US‑Dollar pro Coin hält – die größte bekannte Unternehmensposition weltweit. BIP-110 öffnet sein verpflichtendes Signalisierungsfenster voraussichtlich um den 9. August bei Block 961.632. Aktuell stehen etwa 2,64 % der Blöcke dahinter; erforderlich wären rund 55 %, um die Änderung zu fixieren.
Saylors Gegenentwurf und seine früheren Angriffe auf BIP-110
Saylors Rezept fällt knapp aus: Die Basis-Schicht des Protokolls müsse schlicht, neutral, knapp und sicher bleiben. Innovation solle auf höhere Schichten ausgelagert werden, wo Nutzung freiwillig bleibt und Fehlschläge sich nicht systemisch auswirken.
Saylor begleitet die Auseinandersetzung seit Wochen. Er veröffentlichte einen Essay mit 110 Gründen, warum der Vorschlag aus seiner Sicht ein Irrweg ist, und argumentierte am 21. Juli, BIP-110 wolle monetäre „Reinheit“ per Dekret durchsetzen.
Kurz zuvor hatte er gefordert, Bitcoin brauche „Hüter der Neutralität“ statt „Hüter der Reinheit“. Inzwischen habe sich sein Fokus erweitert – von einem einzelnen temporären Soft Fork hin zu jeder Form von Eingriffen in die Basis-Schicht.
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