Exklusiv: OKX meldet 5,5-fachen Einzahlungsanstieg vor MiCA-Frist, während Nutzer unlizenzierte Börsen verlassen

Exklusiv: OKX meldet 5,5-fachen Einzahlungsanstieg vor MiCA-Frist, während Nutzer unlizenzierte Börsen verlassen

OKX Europe verzeichnete vor Ablauf der jüngsten Übergangsfrist der EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets (MiCA) einen 5,5-fachen Anstieg der Einzahlungen – fast 90 % der Gelder kamen von Kunden, die unlizenzierte Börsen verließen. Das sagte CEO Erald Ghoos im Gespräch mit Yellow.com.

Die Zahlen liefern einen frühen Hinweis darauf, dass MiCA begonnen hat, europäisches Kryptokapital gezielt zu Plattformen umzulenken, die unter dem regulatorischen Rahmen der EU offiziell zugelassen sind.

„Wir sehen ganz klar steigende Zuflüsse von nicht nach MiCA lizenzierten Börsen“, so Ghoos.

„In der Woche vor Ablauf der Übergangsfrist lagen die Einzahlungen bereits beim 5,5-Fachen des April-Niveaus – und nahezu 90 % der Einlagen dieser Woche stammten von Nutzern, die unlizenzierte Plattformen verlassen haben.“

Laut Ghoos setzte sich dieser Trend über den Stichtag hinaus fort, als Börsen begannen, Teile ihres Europageschäfts zurückzufahren oder ganz einzustellen.

Kleinere Börsen suchen geordneten Rückzug

Der Umbruch setzt vor allem kleinere und mittelgroße Plattformen unter Druck, die ihre europäischen Kunden nicht mehr weiter bedienen können.

Ghoos berichtet, OKX habe Gespräche mit Börsen geführt, die Unterstützung suchen, um ihren Rückzug aus dem Markt im Einklang mit den regulatorischen Vorgaben zu planen.

„Die ESMA-Leitlinien sind sehr konkret: Von Marktteilnehmern, die EU-Kunden nicht mehr bedienen können, wird ein geordneter Rückbau erwartet“, sagte er.

„Als eine der ersten Börsen mit MiCA-Lizenz haben wir die Kapazitäten aufgebaut, um Kapital aufzufangen, das umverteilt wird, wenn unlizenzierte Plattformen schließen oder den Zugang einschränken: Liquidität, eine vollständig regulierte europäische Produktpalette und lokale Zahlungsanbindungen sind bereits vorhanden.“

„Wir haben mit einer ganzen Reihe kleiner und mittelgroßer Börsen gesprochen, die ausloten, wie ein geordneter Rückzug konkret aussehen kann – und wir können sie dabei unterstützen.“

Parallel dazu hat OKX eine Kampagne für Nutzer gestartet, die von anderen Plattformen wechseln. Ghoos zufolge umfasst das Angebot einen Einzahlungsbonus von 8 %, gedeckelt auf eine Prämie von 20.000 Euro über 52 Wochen, sowie einen Neukundenbonus von 400 Euro für Kundinnen und Kunden, die bis zum 31. Juli zu OKX Europe wechseln.

Die internen Kontrollsysteme seien auf das höhere Aufkommen neuer Kunden vorbereitet, betont er.

„Unsere KYC- und Compliance-Infrastruktur ist robust und Travel-Rule-konform“, so Ghoos. „Sie wurde genau für Migrationen in dieser Größenordnung aufgebaut.“

Durchsetzung wird zum nächsten Härtetest

Während lizenzierte Börsen Zuflüsse verbuchen, bieten nicht autorisierte Anbieter europäischen Kunden weiterhin Services über globale Apps an, warnt Ghoos.

„Es gibt nach wie vor nicht regelkonforme Börsen, die in Europa Dienstleistungen anbieten und neue Kunden aufnehmen – mit Apps, die nicht MiCA-lizenzierte Angebote und Hochrisikoprodukte an Europäer vertreiben, die oft gar nicht erkennen, dass diese Anbieter unreguliert sind“, sagte er.

Die Aufseher verfügten bereits über ein Arsenal an Durchsetzungsinstrumenten – von der Entfernung aus App-Stores über Website-Sperren bis hin zu Unterlassungsverfügungen und Bußgeldern.

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„Wenn diese Instrumente nicht genutzt werden, werden diejenigen bestraft, die den mühsamen Weg gegangen sind und eine regelkonforme Infrastruktur aufgebaut haben“, so Ghoos.

Er sieht in der effektiven Durchsetzung den nächsten großen Prüfstein für Behörden, die gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Region schaffen wollen.

„Die nächste Herausforderung für die Aufseher wird sein, wie sie die MiCA-Anforderungen tatsächlich durchsetzen und sicherstellen, dass es in Europa wirklich ein Level Playing Field gibt“, sagte er.

MiCA begünstigt Häuser mit langem Atem in der Compliance

Ghoos räumt ein, dass die Einbettung in den breiteren europäischen Finanzmarkt-Rahmen erheblichen Zeit- und Kapitaleinsatz erfordert.

MiCA erfasst Kassageschäfte mit Krypto-Assets; Unternehmen, die Stablecoins für Zahlungszwecke abwickeln, benötigen zusätzlich eine Lizenz als Zahlungsinstitut oder E-Geld-Institut. Anbieter von Derivaten brauchen wiederum eine gesonderte Zulassung nach MiFID.

„Ja, das verursacht reale Kosten in Zeit und Kapital, und ja, es begünstigt Häuser, die einen mehrjährigen Compliance-Aufbau durchhalten können“, so Ghoos. „Aber als Branche hatten wir auch Jahre, um uns darauf vorzubereiten.“

Die Anforderungen seien nötig, weil Fehlentscheidungen letztlich nicht die Unternehmen, sondern deren Kunden träfen.

„Die Hürden gibt es, weil die Kosten von Fehlentwicklungen bei den normalen Nutzerinnen und Nutzern landen – nicht beim Unternehmen“, sagte er. „Strikte Trennung von Kundengeldern, ordnungsgemäße und qualifizierte Unternehmensführung, operationelle Belastbarkeit: Nichts davon ist optional, wenn man fremde Vermögenswerte verwalten will.“

Kleiner, aber stärker konzentriert

Das Ausscheiden unlizenzierter und kleinerer Börsen dürfte dazu führen, dass sich das europäische Krypto-Trading auf eine überschaubare Zahl autorisierter Plattformen konzentriert.

Dieses Ergebnis sei zum Teil in der verbraucherschützenden Architektur von MiCA angelegt, betont Ghoos.

„Weniger, dafür stärkere Plattformen sind kein Zufallsprodukt von MiCA“, sagte er. „Das ist Teil des Mechanismus, der sicherstellen soll, dass die Branche in Europa ein angemessenes Schutzniveau für Verbraucher bietet.“

„Diese Konsolidierung wird die Branche in Europa zwar kleiner, aber strukturell solider machen.“

Der Einwand, höhere Marktkonzentration führe automatisch zu ähnlichen systemischen Risiken wie im zersplitterten, unregulierten Markt, greife zu kurz, so Ghoos.

„Konzentration wird nur dann gefährlich, wenn die verbleibenden Plattformen dieselben Schwächen aufweisen wie jene, die herausgefiltert wurden“, sagte er.

„MiCA-lizenzierte Börsen unterliegen Vorgaben zur Trennung von Vermögenswerten, Kapitalanforderungen und Governance-Standards, die genau darauf ausgelegt sind, Kettenreaktionen im Fall einer Unternehmensinsolvenz zu verhindern. Das Risikoprofil ist ein anderes als im fragmentierten, unregulierten Markt, den MiCA ablöst.“

Die bisherigen Einzahlungsdaten zeigen, dass die Umverteilung der europäischen Krypto-Liquidität bereits in vollem Gange ist. Die nächste Phase wird davon abhängen, ob die Durchsetzung konsequent genug ist, um unautorisierte Plattformen daran zu hindern, weiterhin europäische Kunden ins Visier zu nehmen – während lizenzierte Börsen das Kapital aufnehmen, das diese Anbieter verlassen hat.

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