Goldman Sachs hat die Nutzung von Kalshi und Polymarket für seine Belegschaft drastisch eingeschränkt: Erlaubt sind nur noch Wetten auf Sport und Unterhaltung. Hintergrund sind neue Compliance-Sorgen rund um Prognosemärkte.
Die wichtigsten Punkte:
- Mitarbeiter von Goldman Sachs dürfen keine Prognosekontrakte handeln, die an Politik, Zinsen oder andere marktsensitive Ereignisse gekoppelt sind.
- Wiederholte Verstöße gegen die Vorgaben können laut einem internen Memo zur Entlassung führen.
- Die Einschränkungen spiegeln die Sorge wider, dass Mitarbeiter bei Wetten auf reale Ereignisse Insiderinformationen nutzen könnten.
Goldmans Regeln für Prognosemärkte
Laut einem internen Rundschreiben, über das unter anderem die Financial Times berichtete, hat Goldman Sachs seine Mitarbeiter angewiesen, Wetten auf Wahlen, Geldpolitik und andere Ereignisse zu meiden, die die Finanzmärkte beeinflussen können. Die Bank verzichtet allerdings auf ein vollständiges Verbot der Nutzung solcher Plattformen.
Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Zeitung, wiederholte Regelbrüche könnten in einer Kündigung münden. Reuters berichtete zudem, Goldman untersage Event-Kontrakte, die tatsächliche oder auch nur wahrgenommene Interessenkonflikte schaffen könnten.
Die Auflagen zielen auf die Nähe der Bank zu potenziell kursrelevanten, nicht öffentlichen Informationen ab – etwa Details zu Mandaten, Transaktionen oder Marktbedingungen, die Ausgang oder Bepreisung von Prognosekontrakten beeinflussen könnten.
Kalshi und Polymarket listen Märkte zu Wahlen, Konjunkturdaten und dem Stand des S&P 500. Dadurch wird es für Banken deutlich schwieriger, Aktivitäten von Mitarbeitern an Prognosebörsen sauber von klassischem Handel und bestehenden Kontrollmechanismen zu trennen.
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Kalshi im Fokus der Aufseher
Die Aufsicht blickt genauer hin, seit Trader offenbar von vorzeitigem Wissen über wichtige Ereignisse profitierten. Laut On-Chain-Analysefirma Lookonchain erzielten etwa drei Wallets zusammen mehr als 630.000 US‑Dollar Gewinn, bevor Nicolás Maduro gefasst wurde.
Auch die Organisatoren des Friedensnobelpreises untersuchten einen möglichen Informationsabfluss, nachdem auffallend treffsichere Wetten den späteren Preisträger identifiziert hatten.
Beide Plattformen haben inzwischen Regeln gegen Insiderhandel und Marktmanipulation eingeführt. Dennoch tun sich Banken schwer, Konten von Mitarbeitern zu überwachen und zu beurteilen, ob eine Wette auf vertraulichen Informationen beruhte. Diese Unsicherheit wiegt umso schwerer, als Prognosemärkte zunehmend institutionelles Kapital anziehen und näher an die traditionelle Finanzwelt rücken. Kalshi soll Berichten zufolge eine Bewertung von 40 Milliarden US‑Dollar anstreben und an einem Blockhandelsgeschäft arbeiten.
Zwar stammen die wesentlichen Erlöse beider Plattformen weiterhin aus Sportwetten, doch die Ausweitung auf politische und finanzielle Kontrakte verändert die Compliance-Risikolage schrittweise.
Goldmans neue Restriktionen spiegeln diesen Wandel wider: Produkte, die lange als reines Unterhaltungsangebot galten, nähern sich funktional ereignisbasierten Finanzinstrumenten an – mit ähnlichen Konflikt- und Informationsrisiken wie klassische Wertpapiergeschäfte.
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