Nio hat seine beste Börsenwoche seit vier Monaten hinter sich: Die Aktie legte um 9 % zu, nachdem der chinesische E-Autobauer im Juli 35.934 ausgelieferte Fahrzeuge meldete. Gleichzeitig sehen Morningstar und Goldman Sachs weiteres Kurspotenzial für den Hersteller von Premium-Stromern.
Wichtigste Punkte:
- Juli-Auslieferungen klettern auf 35.934 Fahrzeuge, 71 % mehr als im Vorjahr, aber 11,5 % weniger als im Juni.
- Morningstar taxiert Nios Hongkong-Aktie auf 50 HK$, deutlich über dem Schlusskurs von 38,82 HK$ am Freitag.
- Auf Monatssicht schloss die Aktie im Juli dennoch 4 % im Minus – der dritte Rückgang in Folge.
Starke Auslieferungen, beste Woche seit März
Das Unternehmen veröffentlichte die Juli-Zahlen am 1. August. Trotz des kräftigen Jahresanstiegs blieben alle drei Marken unter dem Niveau des Vormonats Juni. Die Kernmarke Nio kam auf 20.008 Einheiten, die familienorientierte Baureihe Onvo auf 10.155 und die Kleinwagenmarke Firefly auf 5.771 Fahrzeuge. Der Rückgang von 11,5 % gegenüber Juni war der erste sequentielle Rückschlag nach drei Wachstumsmonaten in Folge.
Seit Jahresbeginn stiegen die Auslieferungen um fast 68 % auf 227.057 Fahrzeuge. Damit liegt Nio weiterhin deutlich über dem selbst gesteckten Wachstumsziel von 40 % bis 50 % für das Gesamtjahr, das Gründer und CEO William Li ausgegeben hat. Kumuliert hat Nio seit dem Verkaufsstart 2018 bis zum 31. Juli insgesamt 1.224.649 Fahrzeuge ausgeliefert.
An der Wall Street schloss die Aktie am Freitag bei 4,88 US-Dollar und beendete die Woche mit einem Plus von 9 %. Auf Monatssicht blieb jedoch ein Minus von 4 % – der dritte Verlustmonat in Folge. Wettbewerber XPeng setzte im Juli 38.027 Fahrzeuge ab, Li Auto kam auf 30.468 Auslieferungen und lag damit leicht unter dem Vorjahreswert – ein Hinweis darauf, wie stark Nio aktuell zulegt.
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Morningstar sieht Nio an der Börse unterbewertet
Die Analysten von Morningstar bewerten Nios in Hongkong notierte Aktien mit einem fairen Wert von 50 HK$ und damit deutlich über dem Schlusskurs von 38,82 HK$ am Freitag. Sie erwarten für 2027 das erste profitable Geschäftsjahr des Konzerns. Bis 2030 rechnen sie mit jährlichen Auslieferungen von 670.000 Fahrzeugen, ausgehend von rund 326.000 Einheiten im Jahr 2025. Zugleich vergeben sie jedoch die Unsicherheitsstufe „Very High“ und betonen, Nio habe sich noch keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil erarbeitet.
Goldman Sachs hat die Aktie am 13. Juli hochgestuft und empfiehlt sie nun zum Kauf mit einem Kursziel von 7 US-Dollar. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt aktuell bei 6,90 US-Dollar. Trotz der jüngsten Rally notiert der Titel weiterhin unter seinem 50-Tage-gleitenden Durchschnitt von 5,09 US-Dollar sowie der 200-Tage-Linie bei 5,51 US-Dollar. Der RSI pendelt um die Marke von 50 – ein Niveau, das eher auf ein Gleichgewicht zwischen Kauf- und Verkaufsdruck als auf einen klaren Trend hindeutet.
Premiumpreise treffen auf steigende ES8-Kosten
Der durchschnittliche Verkaufspreis der Kernmarke Nio lag im Juli bei 434.600 Yuan, umgerechnet rund 64.010 US-Dollar. Das große SUV ES8 machte dabei mit 10.286 ausgelieferten Fahrzeugen gut die Hälfte des Markenvolumens aus.
Li erklärte am 10. Juli, dass gestiegene Rohstoffpreise die Stückkosten des ES8 um fast 20.000 Yuan erhöht hätten. Zulieferer würden einen Teil dieser Mehrkosten mittragen, um die Marge zu stützen.
Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich Nio an der Börse kaum bewegt: Die Aktie liegt gerade einmal 0,2 % im Plus – eine Seitwärtsphase, die mehrere Zwischenerholungen überdauert hat. Ein kräftiger Kursschub im März folgte auf den ersten Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte. Doch die drei Verlustmonate bis einschließlich Juli haben einen Großteil dieser Zugewinne wieder ausgelöscht. Die Erholung der vergangenen Woche hat den Abstand zur 200-Tage-Linie verkleinert, sie aber noch nicht überwunden.
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