Ethereum greift Bitcoin an, da der KI-Geldsegen versiegt, sagt Altmeister Visser

Ethereum greift Bitcoin an, da der KI-Geldsegen versiegt, sagt Altmeister Visser

Der erfahrene Investor Jordi Visser sieht das einfache Geld im KI-Sektor als weitgehend abgegrast. Hohe Investitionen drücken die freien Cashflows der Tech-Giganten und könnten Kapital in Kryptowährungen umlenken – mit Ethereum (ETH) als Favorit vor Bitcoin (BTC).

Zentrale Punkte:

  • Die größten KI-Investoren im Tech-Sektor meldeten deutlich schwächere freie Mittelzuflüsse, da die Ausgaben für Rechenzentren und Infrastruktur sprunghaft stiegen.
  • Visser rechnet weiterhin mit ordentlichen Renditen aus KI, aber nicht mehr mit den sieben- bis achtfachen Kursgewinnen der frühen Hype-Phase.
  • Krypto könnte davon profitieren, doch Regulierung und das Zinsniveau bleiben harte Bremsklötze.

Vissers Warnung zum KI-Trade

Alphabet meldete im Quartal April bis Juni einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar, nach einem Plus von 5,3 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Grund: Die Investitionsausgaben überstiegen erstmals den operativen Cashflow.

Bei Meta schrumpfte der freie Cashflow auf lediglich 784 Millionen Dollar, nach 8,5 Milliarden Dollar im Vorjahr. Gleichzeitig kletterten die Quartalsinvestitionen auf 31,08 Milliarden Dollar, während der Umsatz um 28 % zulegte. Rund 3,58 Milliarden Dollar entfielen auf Rechtskosten und Abfindungen – der gesamte Rückgang ist also nicht allein KI-Investitionen geschuldet.

Der Druck war branchenweit spürbar. Microsoft blieb zwar der stärkste Cash-Generator mit 19,6 Milliarden Dollar freiem Cashflow und 43 % Wachstum bei Azure, doch auch dort sank der Barmittelpuffer im Jahresvergleich um 23 %. „Der KI-Trade ist durch. Die Zeiten, in denen man sein Geld sieben- oder achtfachen konnte, sind vorbei“, sagte Visser in einem Podcast.

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Rotation von Bitcoin zu Ethereum

Die Differenzierung ist Visser wichtig: Er sagt nicht, dass das Wachstum im KI-Sektor vorbei sei. Er erwartet eher jährliche Renditen von rund 30 %, da günstigere Open-Source-Modelle Wettbewerbsvorteile zusammenschmelzen lassen und die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass ein einzelner Konzern dauerhaft dominiert.

Laut Visser werden autonome KI-Systeme Zahlungsinfrastrukturen auf Blockchain-Basis benötigen. Er bevorzugt Ethereum, weil das Netzwerk laufende Transaktionsgebühren und damit Erträge generiert. Bitcoin bleibt Teil seiner Rotations-Story, doch der Zeitplan hängt stark von der Verabschiedung des CLARITY Act ab. Das Gesetz könnte bestimmen, wie rasch institutionelle Anleger ihr Krypto-Engagement hochfahren.

Das makroökonomische Umfeld bleibt angespannt. Die Federal Reserve beließ den Leitzins mit einer Mehrheit von 9 zu 3 Stimmen in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 %. Nach der Entscheidung gab der Dow um 1.153 Punkte nach, während die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen anzogen.

Goldman Sachs warnte, es gebe „nur wenige Quellen für zusätzlichen ‚Saft‘ bei kurzfristigen Kursrallyes“ und verwies auf hohe Hedgefonds-Verschuldung sowie nachlassende Aktivität privater Trader.

Bitcoin hat sich zwar von seinen Tiefstständen Ende Juni erholt, notiert aber immer noch rund 49 % unter seinem Rekordhoch vom Oktober 2025. Vissers Krypto-Rotation bleibt damit eine Investmentthese – nicht der Startschuss für einen bereits etablierten neuen Zyklus.

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