Standard Chartered: Saylor muss nun beweisen, dass er Bitcoin auch verkauft

Standard Chartered: Saylor muss nun beweisen, dass er Bitcoin auch verkauft

Strategy versucht, seine umfangreichen Bitcoin-Bestände (BTC) von einem reinen Akkumulationsvehikel in Sicherheiten für ein wachsendes Kreditgeschäft umzuwidmen. Darauf weist Geoffrey Kendrick von Standard Chartered hin, der argumentiert, der Strategiewechsel sorge für Verwirrung bei Anlegern und erhöhe den Druck sowohl auf Bitcoin als auch auf die MSTR-Aktie.

In einer Research-Note vom 10. Juli, die Yellow.com vorliegt, schreibt Kendrick, die jüngsten Schritte von Strategy hätten die kurzfristige Sicht auf Bitcoin „vernebelt“, da sich das Unternehmen vom einfachen „Wir verkaufen nie“-Narrativ verabschiede, das die Strategie von 2020 bis Mitte 2025 geprägt habe.

„Was wir derzeit bei MSTR sehen, ist für mich in erster Linie ein Kommunikationsproblem – nicht mehr“, sagte Kendrick ergänzend per E-Mail.

Über Jahre hinweg agierte Strategy im Kern als gehebeltes Bitcoin-Sammelvehikel. Das Unternehmen nahm Fremdkapital auf und platzierte neue Aktien immer dann, wenn der marktbezogene Nettoinventarwert, die sogenannte mNAV, deutlich über 1,0 notierte. So konnte Strategy neues Kapital einwerben und zusätzliche Bitcoin zukaufen, ohne den Wert der bestehenden Bestände unmittelbar zu verwässern.

Dieses Modell lässt sich inzwischen schwerer fortsetzen, da die mNAV von MSTR inzwischen nahe 1,0 liegt. Kendrick ist deshalb der Ansicht, dass Michael Saylor den Bitcoin-Bestand nun mit einer zweiten Funktion versieht: als Deckung für Vorzugsaktien wie STRC.

Bitcoin wird zur Sicherheit

Kendrick beschreibt STRC als Kreditprodukt, das durch die Bitcoin-Bilanz von Strategy besichert ist. Der Paradigmenwechsel bedeutet: Investoren müssen davon überzeugt sein, dass das Unternehmen bereit und in der Lage ist, Bitcoin zu veräußern, wenn dies zum Schutz der Vorzugsaktionäre nötig ist.

„Um Anleger davon zu überzeugen, dass Bitcoin tatsächlich als Sicherheit fungiert, muss Saylor uns glaubhaft machen, dass er im Zweifel auch verkaufen kann“, so Kendrick.

Die Schwierigkeit: Strategy hat jahrelang das Bild gepflegt, die Bitcoin-Bestände blieben unangetastet. Jeder Verkauf wird daher von Teilen des Marktes als Bruch der Akkumulations-Story gewertet – und nicht als Signal, das die neue Kreditarchitektur absichert.

Kendrick hält diese Lesart für verfehlt.

Sobald sich durchsetzt, dass Bitcoin zugunsten von STRC veräußert werden kann, könnte allein die Glaubwürdigkeit dieses Sicherheitsnetzes die Wahrscheinlichkeit tatsächlicher Verkäufe verringern.

Er zieht einen Vergleich zu Zentralbanken, die in Stressphasen ankündigen, „alles Notwendige“ zu tun. Glaube der Markt an dieses Versprechen, müsse die Institution häufig gar nicht in voller Höhe eingreifen.

„Wenn Anleger verstanden haben, dass dies der neue Zweck der Bitcoin-Bestände ist, wird MSTR kaum noch verkaufen müssen – weil der Kommunikationswechsel dann selbst glaubwürdig geworden ist“, so Kendrick.

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STRC könnte zum Nennwert zurücklaufen

Standard Chartered schätzt das ausstehende Nominalvolumen von STRC auf rund 10 Milliarden US-Dollar. Da das Produkt durch den Bitcoin-Bestand von Strategy hinterlegt ist, sieht Kendrick es als deutlich überbesichert an.

Gewinnt der Markt Vertrauen in diese Struktur, könnte STRC laut Analyse von aktuell rund 90 US-Dollar wieder in Richtung des Referenzwerts von 100 US-Dollar steigen.

Für Bitcoin wäre das relevant: Höhere Zuversicht in STRC würde die wahrgenommene Notwendigkeit reduzieren, dass Strategy Vermögenswerte liquidieren muss.

Klarere Marktsignale von Strategy sollten daher, so Kendrick, die Sorge vor großvolumigen Bitcoin-Verkäufen dämpfen und einen kurzfristigen Belastungsfaktor für den Markt entfernen.

„Der Kommunikationswechsel ist heikel und hat den Bitcoin-Kurs spürbar unter Druck gesetzt“, sagt er. „Sobald wir alle verstanden haben, was Saylor vorhat, sollte dieser Schmerz wieder verschwinden.“

Standard Chartered hält an 100.000-Dollar-Bitcoin-Ziel fest

Trotz der jüngsten Unsicherheit hält Standard Chartered an seiner Bitcoin-Prognose von 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 fest.

Bitcoin um 64.000 US-Dollar bezeichnet Kendrick als „klaren Kauf“ und argumentiert, die Schritte von Strategy seien eher kurzfristiges Störgeräusch als eine Neubewertung des mittelfristigen Bitcoin-Ausblicks.

Auch MSTR erscheine auf Niveaus um 94 US-Dollar interessant, da die mNAV bei etwa 1,0 liege. Die Aktie werde damit nahe am Wert der unterliegenden Bitcoin-Bestände gehandelt – und nicht mehr mit dem hohen Aufschlag früherer Akkumulationsphasen.

Im größeren Bild deutet sich an, dass Strategy nicht länger nur als „börsennotierte Bitcoin-Schatzkammer“ zu verstehen ist.

Sollte es Saylor gelingen, die Bestände gezielt zur Absicherung von Vorzugsaktien und weiteren renditetragenden Instrumenten einzusetzen, könnte sich Strategy zu einer Bitcoin-besicherten Kreditplattform wandeln.

Das Risiko besteht darin, dass Investoren jeden künftigen Bitcoin-Verkauf weiterhin durch die Brille der früheren reinen Akkumulations-Story betrachten. Die Chance liegt aus Kendricks Sicht darin, dass der Verkaufsdruck nachlassen könnte, sobald die neue Collateral-Logik akzeptiert ist – gerade weil der Markt dann weiß, dass Strategy im Ernstfall bereit zum Handeln ist.

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