Standard Chartered setzt darauf, dass die nächste große Wachstumsphase im Stablecoin-Sektor von verzinsten Token ausgeht. Die Bank prognostiziert, dass der Token von Sky (SKY) bis Ende 2028 etwa verfünffeln könnte, wenn sich das Stablecoin-Ökosystem rund um USDS weiter ausbaut.
In einer am 11. September veröffentlichten Studie nimmt Geoff Kendrick, Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered, erstmals die Bewertung von SKY auf und setzt ein Kursziel von 0,325 US-Dollar bis Ende 2028 an – deutlich über den rund 0,065 US-Dollar zum Zeitpunkt der Publikation. Die Bank erwartet, dass die Entwicklung grob den Kursgewinnen von Ethereum folgt, wobei SKY Bitcoin im gleichen Zeitraum übertreffen soll.
Das übergeordnete Investment-Narrativ basiert auf der erwarteten Ausweitung des Stablecoin-Marktes. Standard Chartered rechnet damit, dass das Gesamtvolumen aller Stablecoins bis Ende 2028 auf bis zu 2 Billionen US-Dollar anwachsen könnte. Kendrick betont allerdings, dass noch schwer abzuschätzen ist, welcher Anteil davon letztlich auf verzinste Stablecoin-Produkte entfällt.
Diese Differenzierung dürfte wichtiger werden, je stärker Finanzinstitute in tokenisiertes Geld einsteigen.
Ein Konsortium aus 21 Banken, darunter Goldman Sachs, Bank of America, Citi und Deutsche Bank, plant für 2027 einen dollarbasierten Stablecoin. Standard Chartered selbst bringt über das Joint Venture Anchorpoint einen an den Hongkong-Dollar gekoppelten Stablecoin an den Start.
Sky macht aus Stablecoin-Liquidität ein Zinsgeschäft
Sky, früher als MakerDAO bekannt, baut sein Modell um USDS sowie den verzinsten Ableger sUSDS herum auf. Standard Chartered beschreibt das Ökosystem als eine Art dezentralisiertes Bankensystem: Sky emittiert Stablecoins, setzt Governance-Regeln und stellt Agenten Kapital zu Wholesale-Konditionen bereit.
Diese Agenten leihen sich USDS und setzen das Kapital in verschiedenen Renditestrategien ein. Laut Standard Chartered hatten die drei wichtigsten Agenten – Spark, Grove und Obex – zum Zeitpunkt der Studie zusammen 5,9 Milliarden US-Dollar in USDS ausgeliehen.
Die Struktur verschafft Sky einen relativ direkten Hebel, um ein steigendes Stablecoin-Volumen in Erträge zu verwandeln. Die Bank argumentiert, dass wachsende ausstehende USDS-Kredite das Nettozinsergebnis erhöhen dürften – wovon ein Teil über Staking-Erträge und Token-Rückkäufe bei den Inhabern von SKY landet.
Daten von Sky selbst unterstreichen die Dimension des verzinsten Segments im Ökosystem. Das Finanz-Dashboard meldete zuletzt Einlagen von rund 4,94 Milliarden US-Dollar in USDS-Sparprodukten, während sUSDS derzeit eine variable Verzinsung in Aussicht stellt.
Die 2-Billionen-Dollar-Stablecoin-Frage
Entscheidend wird, ob sich Stablecoins von reinen „digitalen Dollars“ für Zahlungen und Trading hin zu verzinsten Finanzinstrumenten entwickeln.
Die größten Stablecoins wie USDT und USDC reichen die Erträge aus ihren Reserven bislang nicht direkt an Nutzer weiter. Verzinste Stablecoins verfolgen einen anderen Ansatz: Sie erlauben Investoren, eine Dollar-Exposure zu halten und gleichzeitig laufende Erträge zu erzielen.
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Standard Chartered sieht die Gefahr, dass sich beide Modelle mit wachsender Nutzung immer stärker auseinanderentwickeln, räumt aber ein, dass die langfristige Marktaufteilung kaum seriös zu prognostizieren ist.
Diese Unsicherheit ist zentral, weil verzinste Stablecoins bislang nur einen kleinen Teil des Gesamtmarkts ausmachen. Sky ist damit darauf angewiesen, dass sich einerseits der gesamte Stablecoin-Markt deutlich vergrößert und andererseits die Nachfrage nach verzinsten Produkten einen größeren Anteil an diesem Wachstum gewinnt.
Zeitlich fällt Skys Vorstoß in einen breiteren Wettbewerb um die Rolle von Stablecoins in den Kapitalmärkten. Banken testen eigene Stablecoins, während traditionelle Asset Manager bereits mit tokenisierten Staatsanleihen und Real-World-Asset-Strategien aktiv sind – Instrumente, die auch im Sky-Ökosystem genutzt werden.
Nach Angaben von Sky wurden über die Agenten mehr als 5,5 Milliarden US-Dollar in Instrumente und Plattformen allokiert, an denen unter anderem BlackRock, Janus Henderson, Anchorage und Securitize beteiligt sind.
Sky braucht steigende USDS-Kreditnachfrage
Die 5x-Prognose von Standard Chartered hängt maßgeblich davon ab, ob Sky das über sein Agentennetzwerk zirkulierende USDS-Volumen weiter deutlich ausweiten kann.
Die aktuellen Kreditobergrenzen für Spark, Grove und Obex summieren sich auf 17,5 Milliarden US-Dollar, gegenüber bestehenden Ausleihungen von 5,9 Milliarden US-Dollar. Kendrick schätzt, dass das Ausschöpfen dieser Limits bei stabilen Zinsmargen zwei- bis dreifaches Wachstum bringen könnte. Zusätzlich dürfte langfristig Spielraum für höhere Caps oder weitere Agenten bestehen.
Damit wird zugleich die zentrale Schwachstelle des Investment-Case sichtbar: Sky hat zwar gezeigt, dass das Agentenmodell skalierbar ist, doch Standard Chartered selbst betont, dass ein deutlich größeres Volumen bisher nicht unter Beweis gestellt wurde. Zudem warnt die Bank, dass die Nachfrage nach USDS und anderen verzinsten Stablecoins letztlich davon abhängt, wie sich konkrete Anwendungsfälle für Stablecoins entwickeln.
Ökonomisch unterscheidet sich das Modell deutlich von einer simplen Token-Buyback-Story. Standard Chartered geht davon aus, dass der Großteil des Werts, der an SKY-Inhaber zurückfließt, aus Staking-Renditen stammt – nicht aus Tokenvernichtung. In der aktuellen Struktur fließen 45 % der berechtigten Erträge in Staking-Rewards für SKY und 10 % in Rückkäufe des Tokens.
Die eigentliche Wette gilt dem nächsten Stablecoin-Zyklus
Die SKY-Prognose von Standard Chartered ist damit weniger ein isolierter Call auf einen einzelnen DeFi-Token als vielmehr eine Wette auf die Architektur des nächsten Stablecoin-Zyklus.
Die Bank erwartet, dass der Wertzufluss an SKY-Inhaber bis Ende 2028 etwa verfünffacht wird – getrieben vom Wachstum des Sky-Ökosystems und den ausstehenden USDS-Volumina.
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