Ökonomen des Weißen Hauses haben festgestellt, dass ein Verbot von Renditen auf Stablecoins wenig zur Ausweitung der Bankkredite beitragen würde – es käme zu einem Plus von rund 2,1 Mrd. US‑Dollar bzw. 0,02 % in einem Kreditmarkt von 12 Bio. US‑Dollar –, während Inhaberinnen und Inhaber durch entgangene Wohlfahrtsgewinne jährlich schätzungsweise 800 Mio. US‑Dollar verlieren würden.
Auswirkungen eines Stablecoin‑Renditeverbots
Der Bericht des Council of Economic Advisers, des dreiköpfigen Beratungsgremiums im Executive Office des Präsidenten, untersuchte, was passieren würde, wenn derzeit in Stablecoins gehaltene Mittel wieder in Bankeinlagen zurückflössen.
Das Fazit war deutlich: Die zusätzlichen Kreditvergaben wären vernachlässigbar.
Im Basisszenario würde das gesamte Bankkreditvolumen um etwa 2,1 Mrd. US‑Dollar steigen. Für Community‑Banks wäre der Zuwachs noch geringer – rund 500 Mio. US‑Dollar an zusätzlichen Krediten oder etwa 0,026 %.
Die Ergebnisse fallen in eine laufende Auseinandersetzung zwischen der Bankenbranche und dem Kryptosektor. Verbände wie die Independent Community Bankers of America argumentieren, dass Stablecoin‑Renditen Einlagen abziehen könnten. Vertreter der Kryptoindustrie weisen diese Warnungen zurück.
Das Kosten‑Nutzen‑Verhältnis im Bericht war eindeutig.
Mit 6,6 würden die volkswirtschaftlichen Kosten eines Verbots jeglichen Nutzen durch zusätzliche Kreditvergabe deutlich übersteigen, so die Ökonomen. „Um Krediteffekte in der Größenordnung von Hunderten von Milliarden zu erzeugen, muss man gleichzeitig annehmen, dass sich der Stablecoin‑Anteil versechsfacht, alle Reserven in segregierte Einlagen umgeschichtet werden und die Federal Reserve ihren Ample‑Reserves‑Rahmen aufgibt“, heißt es in dem Bericht.
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Coinbase‑Chefjustiziar zum CLARITY Act
Die Frage der Stablecoin‑Renditen steht im Zentrum der breiteren Gesetzesdebatte in Washington. Im Juli 2025 hat Präsident Donald Trump den GENIUS Act unterzeichnet, der Stablecoin‑Emittenten verbietet, Zinsen oder Renditen direkt an Inhaber auszuzahlen. Drittplattformen wie Börsen dürfen weiterhin Renditen anbieten.
Der vorgeschlagene Digital Asset Market Clarity Act könnte diese Lücke schließen, indem er festlegt, ob Renditen generell eingeschränkt oder unter bestimmten Bedingungen erlaubt werden sollen.
Das US‑Repräsentantenhaus hat den CLARITY Act am 17. Juli 2025 mit parteiübergreifender Mehrheit von 294–134 Stimmen verabschiedet. Im Senat ist der Entwurf jedoch ins Stocken geraten. Der Vorsitzende des Senate Banking Committee, Tim Scott, verschob eine geplante Markup‑Sitzung im Januar, die bislang nicht neu angesetzt wurde.
In der vergangenen Woche erklärte Paul Grewal, Chefjustiziar von Coinbase, der Gesetzentwurf könnte kurz vor einer Markup‑Anhörung stehen, da die Abgeordneten bei zentralen Bestimmungen kurz vor einer Einigung seien. Er betonte, dass der Fortschritt davon abhänge, wie der Streit um Stablecoin‑Renditen gelöst werde.
GENIUS Act und CLARITY Act im Kontext
Die beiden Gesetze adressieren unterschiedliche Teile desselben regulatorischen Puzzles. Der GENIUS Act schuf den ersten bundesweiten Rahmen für Stablecoins, verlangte eine eins‑zu‑eins‑Reserveunterlegung mit liquiden Vermögenswerten wie US‑Staatsanleihen und schloss Stablecoins ausdrücklich aus den Wertpapier‑ und Rohstoffdefinitionen aus.
Der CLARITY Act, der noch im Senat verhandelt wird, soll umfassendere Marktstrukturregeln für digitale Vermögenswerte festlegen und die Aufsicht zwischen SEC und CFTC aufteilen. Der Landwirtschaftsausschuss des Senats brachte seine Fassung am 29. Januar 2026 voran, doch der Bankenausschuss hat sein Markup noch nicht abgeschlossen. Die Senatoren Thom Tillis und Angela Alsobrooks erzielten Ende März einen Kompromiss zur Formulierung zu Stablecoin‑Renditen, der passive Renditen auf Guthaben verbietet, während aktivitätsbasierte Belohnungen erlaubt bleiben. Die Reaktionen der Branche fallen gemischt aus; Coinbase äußerte die Sorge, der Text bevorzuge Banken. Analysten warnen, dass eine Verabschiedung vor den Zwischenwahlen im November 2026 unwahrscheinlich wird, falls der Bankenausschuss das Gesetz nicht bis Ende April freigibt.
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